Paraguay – Argentinien – Uruguay – Rückkehr Gran Chaco – Filadelfia – Asuncion – Formosa – Salto – El Ombu – Montevideo -Buenos Aires – Montevideo – Frankfurt

Nachdem wir das Regenwaldgebiet verlassen haben und bereits zwei Tagen nach Süden in Richtung Paraguayische Grenze unterwegs sind, lässt auch das feucht tropische Klima endlich nach. Wir befinden uns wieder in einer Region mit gemäßigten Temperaturen. Aber die nächste extreme Landschaft wartet schon auf uns. Der „Gran Chaco“. Mit seinen Dornenbuschsavannen und Trockenwäldern streckt er sich vom Süden Boliviens über Paraguay bis in den Norden Argentiniens hinein.

...überall wo wir auftauchen verewigen sich Kinder kreativ auf unserer „Außenhaut“

...überall wo wir auftauchen verewigen sich Kinder kreativ auf unserer „Außenhaut“

Die Süd-Nord-Ausdehnung beträgt 1500 Kilometer und mit seiner Fläche von 647 500 Quadratkilometer ist der Chaco fast zwei Mal so groß wie Deutschland. Im Sommer ist diese Region extrem heiß und trocken. Durch das kaum besiedelte Gebiet führen nur wenige Straßen. Die Menschen die hier leben sind meist Mennonitische Siedler die als Farmer leben und indianische Nomaden. Wir wollen den Gran Chaco auf der Trans-Chaco-Route von West nach Ost durchqueren. Bereits in Bolivien erkundigen wir uns über die Fahrstrecke und den Zustand der Straßen. Mehrere Male fragen wir und bekommen die verschiedensten Antworten. Auch auf unseren beiden Straßenkarten sind unterschiedliche Routen eingezeichnet. Wir verlassen uns auf unser Bauchgefühl und fahren in Richtung „Canada Oruro“, einem kleinen Grenzdorf auf bolivischer Seite. Ein Bus mit Paraguayischen Kennzeichen kommt uns aus dieser Richtung entgegen und bestärkt unsere Entscheidung. Denn wenn der Bus es bis hierher geschafft hat, dann kann die Straße nicht so schlecht sein. Bevor wir die Grenz- u. Zollabfertigungsstation erreichen, müssen wir durch Militärgebiet fahren mit den üblichen Kontrollen. Dann erneute Kontrolle bei der Grenzstation. Der wirklich nette Grenzbeamte fragt: “Habt ihr genügend Wasser dabei?“ „Ja“ „ Habt ihr genügend Diesel dabei?“ „Ja“ „Habt ihr genügend zu essen dabei?“ „Auch das“ „ Von jetzt ab seid ihr alleine, bis nach Mariscal Escibarribia sind es in etwa 270 km, eine Strecke welche ihr unter normalen Umständen in ca. 4 Stunden schaffen könnt, wenn ihr euch aber auf der Strecke festfahrt oder verfahrt kann es Tage dauern, bis ihr in Mariscal ankommt.“ Das sind ja schöne Aussichten und sehr aufmunternd!! Außerdem weist er uns noch darauf hin, dass wenn wir Geld wechseln wollten, haben wir hier und sofort beim Ausgang noch mal die Gelegenheit. Da steht seine Ehefrau und wartet schon mit den Paraguayischen Geldscheinen in der Hand. Wir haben noch umgerechnet für 10 Euros Bolivianos übrig und lassen diese bei der Frau des Wachmeisters wechseln. Sie haut uns natürlich übers Ohr und tauscht sie uns zu einen unverschämten Kurs. Dies war uns im Voraus klar, aber was sollten wir mit den paar Bolivianos in Paraguay anfangen. Nochmals 40 Kilometer bis zur tatsächlichen Grenze. Erneute Kontrolle von Bolivianischer Seite, dann von den Paraguayos. Da es schon dunkel wird, fragen wir den Comandante der Paraguayischen Militäreinheit, ob wir heute Nacht neben dem Gebäude zum Übernachten stehen könnten. Kein Problem, sie bieten uns sogar die Duschen und Toiletten an. Am frühen Morgen kommt ein Grenzsoldat und möchte erneut unser Pässe sehen. Er schaut sie durch und lässt uns wissen da fehle zum normalen Ausreisestempel aus Bolivien der sogenannte „Touristenstempel“ von den bolivianischen Behörden. Da wir diesen nicht haben kostet uns dieser pro Person 10 US-Dollar wenn wir weiter fahren wollen oder aber wir müssen nach Bolivien zurückfahren. Natürlich gibt es einen solchen Stempel nicht. Wir wussten von der Korruption der Paraguayischen Beamten, aber von diesem Trick hatten wir noch nichts gehört. Michaela nimmt ihm die Pässe wieder ab und ich frage ihn nach seinem Namen sowie Dienstgrad und schreibe mir diese auf . Ich lasse ihn wissen: wenn es schon einen solchen Stempel gibt dann werden wir die 10 US-Dollar gewiss nicht bei ihm, sondern im Büro der Emigration zahlen. Und schon waren wir auch dieses Problem los. Keiner hatte hinterher jemals wieder nach einem solchen Stempel gefragt. Schleunigst machen wir uns auf den Weg, denn wer weiß was den „Brüdern“ sonst noch alles einfällt. Nach ein paar Kilometer sehen wir aus der Ferne ein dunkles Band. Es sieht aus wie eine breite Teerstraße. Nun, es ist keine Fatamorgana, es ist eine breite Straße mit neuem Teerbelag. An einigen Abschnitten sind sie gerade noch am Bauen. Und wie sich später herausstellte, ist sie durchgehend geteert, die ganzen 700 Kilometer bis Asuncion. Von dieser nagelneuen Teerstraße hat mit Sicherheit der nette und fürsorgliche Grenzbeamte in Bolivien auch noch nichts gewusst.

... Flaschenbäume, typischer Baumwuchs entlang des Trans-Chaco

... Flaschenbäume, typischer Baumwuchs entlang des Trans-Chaco

Zuerst müssen wir ins 230 Kilometer entfernte Mariscal Estigarribia, der nördlichsten Siedlung und militärischer Außenstation Paraguays, wo bei der Emigration unsere Einreisedokumente erstellt werden.
Es geht weiter auf dem Trans-Chaco. Den ganzen Tag ist uns noch kein Auto entgegen gekommen. Vielleicht sind wir die einzigen die heute unterwegs sind. Es gibt viele verschiedene Tierarten hier im Gran Chaco, darunter Jaguare, Ozelote, Tapire, Ameisenbären. Zu Gesicht bekommt man diese Tier aber nur in den seltensten Fällen. Schlangen und Taranteln trifft man schon häufiger an.

... Schlangen sieht man häufig auf der Trans-Chaco-Route

... Schlangen sieht man häufig auf der Trans-Chaco-Route

Unser nächstes Ziel sind die Mennoniten-Kolonien. 1927 kamen die ersten deutschstämmigen Mennoniten aus der Sowjetunion in die Abgeschiedenheit des Chacos. Während der kommunistischen Herrschaft in Russland wurde die Religionsausübung verfolgt. Hier im Chaco konnten sie ihren Glauben frei ausleben. Mennoniten sind Mitglieder einer streng protestantischen Gemeinde, die ihr Leben nach der Bibel ausrichten. Heute leben in drei Kolonien über 14 000 deutschsprachige Personen. Die meisten beherrschen nur die deutsche (zumeist plattdeutsche) Sprache. Das Zentrum bildet der Ort Filadelfia. Freunde von uns waren vor 18 Jahren hier in Filadelfia und gaben uns den Namen von einer Familie welche sie kennengelernt und bei denen sie übernachtet hatten. Diese Familie wollen wir nun besuchen. Wir fahren an den ersten Bauernhöfen der Kolonie vorbei. Uns fällt sofort die Ordnung und Sauberkeit auf. Eine alte Deutsche Tugend eben. Es ist Samstag Nachmittag, als wir im Zentrum von Filadelfia eintreffen. Der Ort wirkt wie ausgestorben. Ab Samstag Mittag sind ausnahmslos alle Geschäfte geschlossen. Also keine Lebensmittel, noch nicht einmal einen Geldautomat können wir finden. Nach langem Suchen, treffen wir dann doch auf eine Gruppe von Jugendlichen die wir zwecks Übernachtungsmöglichkeiten auf Spanisch anreden. Aber sie sprechen nur deutsch und geben uns auf Deutsch die gewünschte Auskunft. Da es schon Spätnachmittag ist, beschließen wir unseren Übernachtungsplatz zu beziehen und die Familie morgen zu suchen. Es ist schon seltsam zu wissen man ist irgendwo in Südamerika und es sieht aus wie in einem kleinen norddeutschen Ort. Am nächsten Morgen erfahren wir dann vom ehemaligen Arbeitgeber des Familienvaters, daß dieser bereits verstorben und die Familie nach dessen Tod nach Deutschland zurückgekehrt ist. Wir machen am selbigen Tag dann doch noch Bekanntschaft mit einem Mennoniten, der uns erzählt wie das Leben sich in dieser Kolonie sich so abspielt. Für uns ein sehr interessantes und lehrreiches Gespräch.

... Ortshinweisschild mit deutschen Ortsnamen im Chaco

... Ortshinweisschild mit deutschen Ortsnamen im Chaco

Es geht weiter auf der Trans-Chaco-Route. Neben der Straße passieren wir immer wieder kleine Zeltdörfer die aus Plastikplanen und Sperrmüll errichtet sind, in denen Indianerfamilien hausen. Gelegentlich bieten sie auch Arbeiten ihres Kunsthandwerks am Straßenrand feil. Wir haben noch 460 Kilometer vor uns bis nach Asuncion, der Hauptstadt Paraguays bzw. bis zur Argentinischen Grenze. Nach dem Grenzübertritt zu Argentinien übernachten wir an einer Tankstelle bei Formosa, denn es ist bereits dunkel. Die Tankstelle hat einen kleinen Minimarket. Wir kommen uns vor wie im Schlaraffenland. Auf ein solch großes Sortiment an Lebensmittel mussten wir die letzten Monate verzichten und dies ist lediglich ein Minimarket. Wir wollen so schnell es geht nach Uruguay zu den Thermen und uns dann ein paar Tage einfach treiben lassen nach den vielen Kilometern der letzten Tage. Eine Menge Wäsche steht zum Waschen an und einige kleine Reparaturen am Auto müssen durchgeführt werden. Bei Salto überqueren wir die Argentinisch-Uruguayische Grenze.
Uruguay ist ein kleines Land, bezogen auf seine Fläche und der Anzahl der Einwohner. Es hat 3,4 Millionen Einwohner von denen die Hälfte in der Hauptstadt Montevideo und deren Umland lebt. Anders als in den restlichen Ländern Südamerika gibt es in Uruguay keine Ureinwohner mehr. Die Menschen hier sind meist Nachkommen europäischer Einwanderer oder sie sind selbst eingewandert. Ein Großteil der Bevölkerung lebt von und in der Landwirtschaft bzw. Viehwirtschaft.

... Bauernhof im Norden von Uruguay

... Bauernhof im Norden von Uruguay

Ach ja, dann ist da noch das „Reisemitbringsel“ aus Bolivien. Seit vielen Tagen plagt mich ein großes Hühnerauge an der großen Zehe. Michaela begutachtet es und meint „das ist mittlerweile schon so groß, es wäre besser dieses von einer Fachkraft oder einem Arzt entfernen zu lassen. Zumal es zu einer Infektion kommen kann“. Ich glaube nicht, dass es ein Hühnerauge ist und mache mich mit dem Leatherman an die Arbeit. Vorsichtig schäle ich Schicht für Schicht die Hornhaut ab und schneide es anschließen auf. Zu unserer Überraschung, was kommt da zum Vorschein? Eine kleine weiße Made, um die 5 Millimeter groß. Vorsichtig ziehe ich sie mit der Zange heraus und reinige das „Nest“ mit Jod. Da hat doch so ein Bist tatsächlich meinen Zeh als seinen Brutplatz ausgewählt und ihre Eier unter die Hornhaut meiner großen Zehe gelegt. Glück im Unglück, die Wunde ist auf jeden Fall schnell und problemlos wieder verheilt.
Unser Weg führt uns zuerst zu den Thermen rund um Paysandu. Bei den Thermen von Almiron bleiben wir dann fast eine Woche. Die Wärme des Wasser tut uns richtig gut, denn seit Tagen ist es bitterkalt. Hier lernen wir eine nette Familie kennen. Rainer, ein Schweizer und seine Brasilianische Frau Josi sind vor 3 Jahren von Brasilien nach Uruguay ausgewandert. Wir werden von ihnen eingeladen. Sie leben mit ihren drei Kindern in einem kleinen Haus in der Nähe von Young in einer kleinen deutschen Mennonitensiedlung namens El Ombu. Ähnlich wie bei den Mennoniten in Paraguay, wird auch hier noch Deutsch gesprochen. Rainer und Josi zeigen uns das Dorf, ja ich darf sogar auf Roco ihrem Pferd reiten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gebe ich aber auf. Es ist eben doch nicht ganz so einfach wie ich es mir vorgestellt habe, vor allem habe ich Probleme mit dem „Bremsen“ bei Roco. Bei „Oma Fast“, wie sie die verwitwete ältere Dame liebvoll nennen, werden wir zum schlafen einquartiert. Rainer muß am nächsten Tag zur Untersuchung seines lädierten Knies, – welches ihm vor einiger Zeit ein Pferd zufügt hat – nach Argentinien zur Untersuchung ins Krankenhaus.

... Josi, Michaela und die Kinder

... Josi, Michaela und die Kinder

Es spricht sich schnell im Dorf herum, daß zwei Deutsche hier sind. Ja es ist sogar eine kleine Attraktion, denn nur selten verirren sich Fremde in diese verschlafene Ecke. Verschlafen meine ich positiv, denn hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Nicht selten begegnet man Fahrzeuge, die mehr als 60 Jahre alt sind. Auch hier ist ein Pferd – wie in fast allen südamerikanischen Ländern – das natürlichste und häufigste Fortbewegungsmittel. Am Nachmittag sind wir von Armin zum Kaffee eingeladen. Die Einladungen gehen weiter. Am anderen Tag lädt uns noch mal Armin in ein Restaurant im nahe gelegenen Young zum Mittagessen ein. Am Abend sind wir dann von Elsa und Harry, einer jungen Familie mit zwei Kindern, zum Pizzaessen eingeladen. Harry hat die Schmiede seines Vaters übernommen. Heute ist die Schmiede mehr eine Werkstatt für Landmaschinen. Es ist für uns sehr interessant zu hören, wie es damals war als 1948 ihre Eltern hierher kamen und das Land besiedelten. Viele von ihnen leben heute nicht mehr und die Kinder haben mittlerweile selbst schon wieder Kinder aber es wird immer noch deutsch gesprochen, deutsch gedacht und deutsch gelebt. Die Deutschen haben dann auch meist untereinander geheiratet und sind größtenteils unter sich geblieben. Mittlerweile können auch fast alle hier die Deutsche Welle im Fernsehen empfangen und einen Computer mit Internet-Anschluß gibt es auch für die Öffentlichkeit. Nicht zuletzt durch das Knowhow von Rainer, der ihnen die Satellitenschüsseln moniert und ihnen in Sachen Internet zur Seite steht. Ja, Rainer werden wir nicht mehr sehen, denn das Krankenhaus hat ihn gleich zur Operation dort behalten und wir haben nicht mehr die Zeit länger zu bleiben.
Jede Reise geht mal zu Ende, auch unsere, zumindest hier in Südamerika. Wir wären gerne noch länger auf diesem wunderschönen Kontinent geblieben, aber die Reisekasse meldet „Ebbe“. So heißt es also jetzt, alles für die Rückkehr nach Europa zu organisieren und danach werden wir uns Gedanken machen, was wir nach unserer Rückkehr nach Europa machen werden, wollen, können….. .
Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg in die Hauptstadt Montevideo wo wir unsere Flugtickets in der Deutsche Botschaft abholen.

... Skyline von Montevideo-Uruguay

... Skyline von Montevideo-Uruguay

Unseren VW-Bus von Montevideo nach Hamburg zu verschiffen wäre zu schön gewesen. Die Rederei macht uns Probleme. Sie verlangt von uns, daß wir einen Spediteur beauftragen, der für uns den ganzen Transport abwickelt. Dies kostet natürlich wieder extra. Und das nicht wenig. So beschließen wir, dass wir noch mal nach Argentinien fahren und unseren VW-Bus von Buenos Aires aus verschiffen. Von hier aus können wir alles selbst erledigen und bei unserem Fahrzeug solange bleiben bis der Container verschlossen ist. Es handelt sich hier um die gleiche Rederei wie in Uruguay, nur eben ein anderes Büro in einem anderen Land. Es ist zwar für uns ein enormer Zeitaufwand, zumal wir wieder nach Montevideo zurück müssen da unser Flug von Montevideo nach Frankfurt gebucht ist, aber es kommt uns wesentlich günstiger. Also auf nach Argentinien. Bevor wir mit der Fähre von Colonia nach Buenos Aires übersetzen, verbringen wir noch zwei Tage auf einer Estancia. Dies war nicht wirklich geplant – was war schon geplant, seitdem wir unterwegs sind :-) – aber in Argentinien ist morgen ein Feiertag und die Zollbehörden arbeiten erst übermorgen wieder. Wir haben die Fähre vorgebucht; zwecks des Feiertags haben viele Argentinier das verlängerte Wochenende zu einen Kurzurlaub nach Uruguay genutzt und die Fähre ist ausgebucht. Wir bekommen zum Glück den letzten Platz auf der Fähre. Um 2:00 Uhr morgens brechen wir auf nach Colonia, da das Fährschiff bereits um 4:30 Uhr ablegt. Zuvor müssen noch die ganzen Aus- und Einreise- sowie die Zollformalitäten erledigt werden. Zum 15. Mal überqueren wir nun eine Staatsgrenze auf unserer Südamerika-Reise und diese ist die Einfachste. In fünf Minuten ist alles erledigt. Der Fluß „Rio de la Plata” ist bei Colonia so breit, dass das Fährschiff zur Überfahrt nach Buenos Aires drei Stunden benötigt. Rechtzeitig zum Sonnenaufgang treffen wir im Hafen von Buenos Aires ein. In Buenos Aires haben wir auf Grund des Feiertags kaum eine Chance noch ein Hotelzimmer zu bekommen. Die wenigen Campingplätze, die es in der Stadt und im Umland gibt, sind im Süd-Winter geschlossen. Auf dem Weg durch die Stadt sehen wir einige Militärcamping und überlegen ob wir fragen sollen. Wir wagen es. Michaela steigt aus und fragt den Militärposten welcher am Eingang mit seinem Maschinengewehr steht. Er lächelt in einer etwas sonderbaren Art und Weise und schüttelt den Kopf. Na gut dann eben nicht. So hat Michaela eine weitere Idee und wir fahren zum Yachtclub Olivos, wo auf einem bewachten Gelände die Boote der Mitglieder stehen. Wir sagen, dass wir aus Hamburg kommen und dort Mitglieder des Yacht und Kanu-Clubs sind und fragen, ob es nicht die Möglichkeit gibt hier zu Übernachten. Der Wachmann holt einen Verantwortlichen des Yachtclubs und wir werden freundlich aufgenommen. Wir haben sogar heiße Duschen. Seit drei Wochen frieren wir nun schon durch das nasskalte Winterwetter, das für hiesige Verhältnisse auch nicht normal ist. Unsere Standheizung läuft ebenfalls seit Wochen auf Hochbetrieb. Heute Nachmittag dann der Höhepunkt. Es beginnt zu Schneien. 1918 hat es zum letzten mal in Buenos Aires geschneit und das ist immerhin vor 89 Jahre gewesen. Für uns ist es kein Trost bei diesem historischen Ereignis dabei zu sein, wir freuen uns eher schon auf den europäischen Sommer. Am nächsten Morgen geht es erstmal per Taxi zum Büro von Hamburg-Süd. Der Taxifahrer ist sehr nett und versucht uns so etwas wie ein Fremdenführer zu sein. Immer wieder deutet er nach rechts oder links und erklärt was wir hier sehen. Als wir an dem „Militärcamping“ von gestern vorbeikommen sagt er: „Und das ist eines der wichtigsten und bedeutendsten Gelände in Buenos Aires, hier wohnt unser Staatspräsident Kirchner mit seiner Familie“. Tja, wir können jetzt schlecht lachen obwohl wir beide ein irrsinniges Zucken um die Mundwinkel verspüren, zumindest wissen wir jetzt warum der Militärposten für unsere Begriffe etwas sonderbar gelächelt hatte. Im Büro von Hamburg Süd angekommen wird uns noch einmal der Ablauf der Verschiffung erklärt. Auch erfahren wir, dass sich die argentinische Zollbehörde zusätzlich zu den bestehenden Hürden, eine neue Hürde einfallen hat lassen um die Touristen zu ärgern. Wir müssen bei einem Notar unsere Reisepässe beglaubigen lassen, dass diese echt sind und nicht gefälscht. Diese Verordnung gibt es seit zwei Monaten und was das für einen Sinn haben soll, bleibt uns ein Rätsel. Als wir bei der Zollbehörde ankommen, sagt man uns und der Schlange die bereits vor uns wartet, dass der Computer nicht funktionier und heute keine Anträge mehr bearbeitet werden können. Wir sollen morgen wieder kommen, vielleicht funktionieren ja die Computer bis dahin wieder. Das sind ja tolle Aussichten.

... auf dem Gelände des Yachthafens von Olivos bereiten wir unseren VW-Bus zum Verschiffen vor

... auf dem Gelände des Yachthafens von Olivos bereiten wir unseren VW-Bus zum Verschiffen vor

Die Zeit läuft uns davon, denn wir haben bereits unseren Rückflug gebucht. Mit neuer Hoffnung sind wir am anderen Morgen bereits Eineinhalbstunden vor Öffnung des Zollbüros vor Ort um nicht irgendwo hinten in der Warteschlange zu stehen. Wir sind aber nicht die Ersten. Jeder wartet gespannt bis die Tür aufgeht und hofft, daß der Zollbeamte mit positiver Nachricht erscheint. Die Computer gehen wieder, uns fällt ein Stein, nein ein Felsbrocken vom Herzen. Nun zählt jede Minute. Wenn wir heute nicht unseren VW-Bus in den Container bringen, haben wir ein riesiges Problem. Nach einer Stunde haben wir alle nötigen Stempel und Unterschriften – bis auf eine, die des obersten Zollchefs und der kommt nicht vor 14:30 Uhr ins Büro. Wir diskutieren mit den Zollbeamten und erklären ihnen unser Problem, aber das interessiert sie nicht. Den Verladetermin, den wir mit Hamburg-Süd vereinbart haben, müssen wir nun zum zweiten Mal verschieben. Hamburg-Süd kommt uns entgegen und gibt uns für heute nachmittag noch einen Verladetermin. Wir müssen jedoch spätestens um 18:00 Uhr unseren VW-Bus in der „Kiste“ haben, denn dann gehen die Arbeiter nach Hause. Um 15:00 Uhr haben wir Gott sei Dank auch die Unterschrift des Zollchefs und machen uns auf dem Weg zum Zollhafen, der im Süden der 14 Millionenstadt, am Rande der Elendsviertel liegt. Nun heißt es sich nur nicht zu verfahren. Verfahren – gesagt, getan. Zum Glück steht am Straßenrand ein Polizeiauto. Die Polizisten weisen uns den Weg zum Container-Terminal von Exalgon, wo sich der Zollhafen befindet. Ignazius ,ein junger Mitarbeiter von Exalgon hilft uns bei der Abwicklung der Verlade- u. Zollpapiere. Kurz vor 18:00 Uhr steht unser VW-Bus im Container. Der Container wird verriegelt und vom Zollbeamten verplombt . Geschafft !!! Nun müssen wir ins Stadtzentrum zurück um uns für morgen Früh noch ein Ticket für die Überfahrt mit dem Schiff nach Montevideo-Uruguay zu besorgen. Wie kommen wir nun ins Stadtzentrum zurück? Es ist bereits dunkel geworden und die meisten Taxis von Buenos Aires lehnen es ab, nach Anbruch der Dunkelheit in diese unsichere Gegend zu fahren, in dem der Container-Hafen liegt. Ignazius ist es wieder der uns hilft. Er organisiert uns einen Fahrer der uns im Auto des Securityservice in einen sicheren Stadtteil bringt, wo wir dann problemlos in ein Taxi umsteigen. Wir kaufen uns die Schiffstickets und lassen uns in unser Hotel zurückbringen. Total erschlagen aber zufrieden fallen wir heute in unsere Hotelbetten. Am nächsten Morgen geht es mit dem Tragflächenboot über den Rio de la Plata nach Montevideo. Um uns diese Stadt anzuschauen haben wir eigentlich zwei Tage eingeplant. Aufgrund der Verzögerungen durch den argentinischen Zolls bleibt uns nun nur noch ein Tag. Zu Fuß erkunden wir die Innenstadt, aber ehrlich gesagt, keiner hat mehr so richtig Lust. Gedanklich haben wir beide mit den von uns besuchten Ländern Südamerikas abgeschlossen. Am Abend gehen wir ein letztes mal Asado-Essen und lassen das Erlebte und die vielen Menschen die wir die letzten sieben Monate kennenlernen durften, Revue passieren.

... Blick aus unserem Hotelzimmer in Montevideo

... Blick aus unserem Hotelzimmer in Montevideo

Pünktlich zu unserem Abflug regnet es in Strömen. Die brasilianische Fluggesellschaft TAM bringt uns zunächst nach Buenos Aires wo wir mit der Alitalia weiter nach Rom fliegen. Nach 14 Stunden Flugzeit landen wir aus dem südamerikanischen Winter kommend im europäischen Sommer. Jetzt wissen wir auch wo die Sonne die ganze Zeit war. Mit voller Power empfängt sie uns. Unsere Winterklamotten sind nun überflüssig. Noch mal zwei Stunden Flugzeit bis Frankfurt. Als wir über Südtirol fliegen und unser Blick nach unten über die Bergwelt schweift, denken wir an Sepp, den 72 Jährigen Globetrotter und Bergsteiger aus Österreich den wir unterwegs öfter mal trafen und der zu uns sagte „ wisst ihr, ich war schon auf vielen Bergen dieser Welt, aber die schönsten Berge sind die Alpen“. Wie wahr, die Alpen sind wirklich wunderschön…..

... Dolomiten von oben, wie wunderschön doch unsere Erde ist

... Dolomiten von oben, wie wunderschön doch unsere Erde ist

Die Maschine von Alitalia landet pünktlich in Frankfurt. Ein Empfangskomitee wartet bereits in der Ankunftshalle, davon wissen wir natürlich bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Michaelas Eltern, Christian und Lydia, Michaelas Bruder mit Frau, sind seit 5:00 morgens unterwegs und wollen uns überraschen. Da sie nach einer Stunde nach Ankunft unseres Flugzeugs uns immer noch nicht zu Gesicht bekommen, werden sie langsam nervös. Was ist passiert? Unser Gepäck ist irgendwo zwischen Montevideo und Frankfurt hängen geblieben. Deshalb müssen wir erstmal bei Alitalia unseren Verlust melden. Da wir nicht die einzigen sind die ohne Gepäck angekommen sind, dauert dies eine geraume Zeit. Zum Glück gibt es das gute alte Handy noch. Nach Monaten schaltet Michaela zum ersten mal wieder ihr Handy ein und siehe da ein Meldung: „Wir warten in Halle B2“. Was für eine riskante und gelungene Überraschung. Mit Sekt, frischen Brezn und Bayerischem Bier werden wir empfangen .“ SCHEE DASS WIEDA DAHOAM SADS“ (Schön, dass ihr wieder zu Hause seid) steht auf einem Transparent. Schöner kann ein Empfang nicht sein. Wir sind überwältigt und die Tränen des Glücks fließen ungehemmt bei Michaela. Wir können einfach nur noch mal DANKE sagen.

... Sektempfang am Frankfurter Flughafen

... Sektempfang am Frankfurter Flughafen

Außer unseren beiden Familien möchten wir noch einmal allen danken die uns auf unserer Reise unterstützt haben und natürlich für Euer Interesse an unserem Reisetagebuch. Was wir momentan machen werden, wissen wir noch nicht so genau. Weiter reisen, sesshaft werden – keine Ahnung. Wir haben in den letzten beiden Jahren vieles gelernt, was wir ohne den Entschluß alles aufzugeben, nie erfahren hätten. Allen voran: Man plant, man hat eine Idee, eine Vision und das Leben lehrt einen: lebe das Leben, geniesse und lebe im Jetzt und im Hier, alles andere ist nicht in Deiner Hand.
Geld ist natürlich ein Faktor den auch wir nicht in unserer Welt und in unserer Zeit unterschätzen, denn auch wenn ein ausgefeilter Plan letztendlich nichts nützt, in unserer Zeit braucht man für alles Geld. Deshalb werden wir erstmal wieder arbeiten aber was, wo und wie das sehen wir dann. Wir versuchen in den nächsten Tagen erstmal geistig anzukommen und unsere Gedanken zu ordnen und Ideen zu finden, vielleicht auch wo und wie wir arbeiten können. Auf jeden Fall melden wir uns bei Euch wieder.
Ach ja unter der Rubrik „Menschen“ stellen wir Euch noch mal einige von vielen Menschen/ Freunden vor, die wir auf unseren beiden Reisen „Nordeuropa“ und „Südamerika“ kennengelernt haben. Und denkt an den irischen Spruch der auf der Anfangseite unserer Homepage steht

„ ES GIBT KEINE FREMDEN, NUR FREUNDE, DIE MAN NOCH NICHT KENNT“

Michaela und Raimund
Zum Abschluß nochmals unsere gesamte Reiseroute in Südamerika

Reiseroute

Reiseroute

Bolivien Sucre – Samaipata – Santa Cruz – Urubicha – Yaguaru – Concepcion

Anna und Victor, die Hostalbesitzer, haben uns einen schönen Abschied beschert. Sie geben uns Pachamama mit auf den Weg, eine kleine Figur die die Nachbildung der Inka-Göttin Mutter Erde darstellt, um uns auf unserem weiteren Reiseweg zu beschützen. Nirgends wo haben wir uns auf unserer Reise bisher so wohl gefühlt und an keinem Ort solange aufgehalten wie hier in Sucre.

... Michaela und Anna

... Michaela und Anna

Nach 18 Tagen wird es endlich wieder Zeit aufzubrechen um Neues zu entdecken und kennenzulernen. Unser Weg führt uns weiter durch das Hochland von Bolivien. Die ersten Kilometer aus der Stadt sind noch geteert, dann geht die Straße in eine Ripiopiste (Wellblechpiste) über. Diese führt uns über zerklüftete Berge bevor sie sich eine Zeitlang seitlich am Flussbett entlang schlängelt.

...kurz nach Sucre, die Straße (links im Bild) schlängelt sich am Flussbett entlang

...kurz nach Sucre, die Straße (links im Bild) schlängelt sich am Flussbett entlang

Immer wieder sind ganze Straßenhälften abgebrochen und über den Hang abgerutscht. Vor uns sehen wir einige LKW`s in Schlange stehen. Wir müssen anhalten, was ist passiert? Raupen beseitigen einen Steinschlag der anscheinend letzte Nacht abgegangen ist. Nach einer Stunde geht es wieder weiter. Wir kommen nur mühsam voran auf der schlechten Straße. Für die letzten 60 Kilometer haben wir sage und schreibe drei Stunden gebraucht. Dafür erleben wir die Landschaft umso intensiver.

... Blick von der Passhöhe ins Flussbett des Rio Caine

... Blick von der Passhöhe ins Flussbett des Rio Caine

Jetzt wird uns klar warum die meisten Straßen in Bolivien so schlecht sind. Der Bevölkerung sind die Straßenzustände unwichtig, da die wenigsten sich einen PKW leisten können. Es sind nur wenige Autos unterwegs, meist sind es LKW’s oder Überlandbusse, welche überwiegend Nachts fahren.

... Bauernhof unterwegs

... Bauernhof unterwegs

Wir fahren an Bauernhöfen vorbei, die oft kilometerweit voneinander entfernt liegen. Dörfer sind eher seltener. Uns erinnert die Gegend an die Kaffee-Werbung aus dem Hochland, die es vor Jahren mal im Werbe-Fernsehen gab.

... Hochland, da wo der Kaffee wächst

... Hochland, da wo der Kaffee wächst

Ein junger Bauer mauert gerade einen Kasten für den Zähler der Stromversorgung, die er in den nächsten Tagen bekommt. Seine beiden Kleinkinder, bekleidet mit einer Unterhose und einem T-Shirt, laufen barfuss über den Hof obwohl die Sonne schon seit 20 Minuten unterging und es sehr kalt ist. Wir sind immerhin noch auf 3500 m über Meereshöhe. Der junge Bauer erlaubt uns mit unserem VW-Bus auf seinem Grundstück zu übernachten. In Windeseile hat es sich herumgesprochen, „zwei Außerirdische sind mit ihrem VW-Bus gelandet“. Alle Kinder aus der näheren Umgebung beobachten uns in sicherer Entfernung. Am nächsten Morgen hören wir schon vor Sonnenaufgang Kinderstimmen vor unserem VW-Bus. Nach dem Öffnen unserer Schiebetür am VW-Bus sind urplötzlich alle wieder verschwunden.

... Indigena-Bäuerin auf dem Nachhauseweg

... Indigena-Bäuerin auf dem Nachhauseweg

Gleich neben unserem Standplatz ist der Dreschplatz. Gemeinsam mit den Nachbarn wird das Trennen von Stroh vom Getreide noch von Hand ausgeführt. Es ist Sonntag gegen 8:00 Uhr morgens und die beiden Nachbarfamilien erscheinen mit ihren Strohgabeln zum Dreschen. Wir müssen leider wieder weiter, denn wir haben heute noch eine weite Strecke vor uns. Unser Tagesziel heißt Samaipata. Eine Zeitlang führt uns die Straße aus dem Nebel heraus und wir fahren hoch über dem Nebelmeer.

... über dem Nebelmeer

... über dem Nebelmeer

Der Nebel zieht sich vom Regenwald des Tieflandes über die Kämme der Cordillera Oriental hoch und bettet sich in die Täler des Hochlandes ein. Später geht die Straße wieder bergab und führt direkt in die Nebelbrühe. Es folgen fünf Stunden Fahrt durch Nebel auf schmierigster Schlammpiste, die wir so schnell nicht vergessen werden. An vielen Stellen ist die Fahrspur nur eine Fahrzeugbreite breit und es geht einige hundert Meter senkrecht den Abhang hinunter.

... Schlamm und Nebel, kaum was zu erkennen

... Schlamm und Nebel, kaum was zu erkennen

Wir überlegen, sollen wir im Nebel stehen bleiben oder weiterfahren? Was ist wenn es noch mehr regnet ? Kommen wir dann überhaupt noch durch oder bleiben wir im Schlamm stecken? Viele Fragen gehen uns durch den Kopf. Was ist richtig? Wir fahren weiter. Immer wieder halten wir an wenn es die Situation zulässt und machen unsere Scheinwerfer vom Schlamm sauber um besser gesehen zu werden. Von den wenigen Fahrzeugen die uns entgegen kommen sind die meisten unbeleuchtet oder die Beleuchtung ist defekt. Vor uns ist ein LKW von der Straße abgerutscht. Gott sei dank auf die Berg zugewandte Seite. Zwei Männer probieren es mit freischaufeln. Wir können nicht anhalten, sonst rutschen wir selber ab. Nun ist uns klar, Autofahren in Bolivien ist nicht nur ein Abenteuer, es kann auch sehr gefährlich werden. Es ist bereits Nachmittag, als sich der „Nebelvorhang“ lichtet. Welch eine Wohltat für die Augen. Wir haben noch 30 Kilometer vor uns bis nach Comarapa, wo auch wieder die Teerstraße beginnt. Die restlichen 120 Kilometer bis Samaipata sind dann nur noch ein Klacks.

... „Kräuterfrau"

... „Kräuterfrau"

In Samaipata bleiben wir ein paar Tage bei Pieter und Margarita, einem holländischen Paar, das seit 20 Jahren in Bolivien lebt und neben ihrer Heilkräuter-Farm auch einen kleinen Campingplatz betreiben. Bevor wir aber das Hochland nun endgültig verlassen, wollen wir noch eine Tagestour in den Bergnebelwald unternehmen.

... Bergnebelwald, mal ohne Nebel

... Bergnebelwald, mal ohne Nebel

Hierfür benötigen wir einen Führer, ohne ist es nicht erlaubt, der uns wieder sicher aus dem Dschungel bringt. Pieter organisiert diese Tour und ruft seinen Freund Frank an, der schon sieben Jahre in Samaipata lebt und zuvor als Banker in Hamburg sein Brot verdiente. Am nächsten Morgen holt uns Frank mit seinem Jeep ab. Unterwegs nehmen wir noch zwei Deutsche mit. Heidi und ihre Tochter Sonja aus Erlangen. Sonja macht gerade ein freiwilliges Jahr als Kindergärtnerin in einem kleinen Dorf unten im Regenwaldgebiet und ihre Mutter ist zur Zeit für drei Wochen auf Besuch hier. Nach einer Stunde Fahrt im Jeep lassen wir die letzten Pfirsichplantagen hinter uns und der Weg endet irgendwo im Bergnebelwald. Nun geht es zu Fuß weiter. Frank mit einer großen Machete voraus.

... Frank, Michaela, Sonja und Heidi im Dschungel

... Frank, Michaela, Sonja und Heidi im Dschungel

Die Besonderheit dieses Bergnebelwaldes sind seine Riesenfarne. Auf dem Weg zum Bergkamm durchqueren wir verschiedene Vegetationszonen. Oben am Gipfel angekommen haben wir einen sensationellen 360° Rundblick über die Gipfel der Riesenfarne und das gesamte Nebelwaldgebiet. Untypischerweise haben wir den ganzen Tag strahlenden Sonnenschein. Von der Tierwelt haben wir außer ein paar Schmetterlingen und Papageien nicht viel zu Gesicht bekommen. Auf dem Rückweg zeigt uns Frank eine frische Jaguarspur, die wie er uns erzählt, auch für ihn Seltenheitswert hat. Sechs Stunden Gehzeit haben wir hinter uns als wir wieder am Fahrzeug sind und nach Samaipata zurückfahren.

... zurück aus dem Dschungel

... zurück aus dem Dschungel

Nach über sechs Wochen verlassen wir das Hochland. Unser nächstes Ziel ist das Missionsgebiet der Bayerischen Franziskaner in Süd-Amazonien. Für die 480 Kilometer veranschlagen wir zwei Reisetage, die uns aber am Ende nicht reichen.

... Abschied vom Hochland, am frühen Morgen geht’s los

... Abschied vom Hochland, am frühen Morgen geht’s los

Am frühen Morgen fahren wir los. Bei den Bauern die mit ihrer Feldernte an den Straßen stehen, decken wir uns nochmals unterwegs mit Frischobst und Gemüse ein. Die ersten zwei Stunden geht es ständig bergab bevor wir die ersten Vororte der Millionenstadt Santa Cruz erreichen. Eigentlich meiden wir Großstädte im Allgemeinen aber an Santa Cruz führt wortwörtlich kein Weg vorbei, denn es gibt keine Umgehungsstraße. Ein paar Mal verfahren wir uns. Wir fragen uns wieder einmal durch, denn auch hier wie im restlichen Bolivien haben Hinweisschilder Seltenheitswert. Am Spätnachmittag sind wir bereits nördlich von Santa Cruz und entdecken am Straßenrand ein Schild mit der Aufschrift „300 m – Delikatessen aus Austria“. Wir sind neugierig und folgen dem Schild welches uns zu einer Rinderfarm führt. Der Hofhund empfängt uns schon von weitem. Außer ihm scheint niemand zu Hause zu sein. Wir klingeln, wir rufen, keine Seele rührt sich. In dem Moment als wir wieder umdrehen, kommt Elfriede aus dem Stall. Wir fragen ob man von den angeschriebenen Spezialitäten etwas kaufen kann. Natürlich, ruft sie aus und erzählt uns wie sie damals vor 24 Jahren mit ihrem Mann Andreas und ihren vier Kindern aus Österreich hierher gekommen sind und sich eine Rinderfarm aufgebaut haben. Zusätzlich betreiben sie seit einigen Jahren noch eine kleine Schankwirtschaft am Wochenende mit österreichischen Spezialitäten aus eigener Hausschlachtung. Der Renner bei den Bolivianern sei die Surrhaxen mit Sauerkraut. Sie lädt uns zum Kaffee ein und erzählt uns, dass sie eigentlich aus dem Rheinland stammt und mit 21 Jahren und drei Kindern schon verwitwet war. Dann lernte sie ihren jetzigen Mann Andreas aus Österreich kennen und ging mit ihm nach Bolivien. In diesen Moment kommt Andreas herein und sagt: „Ihr könnt gerne heute Nacht auf unserem Grundstück übernachten“. Angebot angenommen und unsere Küche bleibt heute ebenfalls kalt, denn es gibt Surhaxen.

... Surhaxen mitten im Dschungel

... Surhaxen mitten im Dschungel

Gegen Abend kommt Andreas zu uns raus und erzählt uns seine ganze Lebensgeschichte. Er ist schon über siebzig und hilft noch jeden Tag auf der Rinderfarm mit. Schnell vergeht die Zeit und bevor wir auf die Uhr schauen ist es bereits nach Mitternacht. Am frühen Morgen geht unsere Fahrt weiter. Irgendwann wird die Straße wieder mal zum Albtraum, sie führt uns direkt in den Schwemmsand des ausgetrockneten Flussbett des Rio Grande. Der Rio Grande hat momentan noch eine Restbreite von ca. 200 Metern. In der Regenzeit hat er eine stolze Breite von über einem Kilometer. Für die 200 Meter Flußüberquerung benötigen wir für unseren VW-Bus einen Holzkahn. Das ganze ist eine etwas wackelige Angelegenheit bis der Bus schlussendlich auf dem Kahn steht. Vier Männer schieben den Holzkahn im brusthohen Wasser ans andere Flussufer.

... auf dem Weg von Santa Cruz zu den Missionen, am Rio Grande

... auf dem Weg von Santa Cruz zu den Missionen, am Rio Grande

Am Flussufer entdecken wir eine kleine Hütte wo wir gegrillten Fisch, Reis und Yukka zu Mittag essen. Einen jungen Pfarrer, den wir unterwegs mit seinem Moped getroffen haben und der uns immer wieder den Weg zeigte, laden wir zum Essen ein. Anschließend geht die Fahrt weiter über holperige Piste. Nun werden wir mit der drückenden Hitze des Tieflandes, die wir die letzten Wochen bei eisiger Kälte so oft herbeigesehnt hatten, konfrontiert. Eigentlich sind es nicht die hohen Temperaturen, sondern vielmehr die hohe Luftfeuchtigkeit die uns zu schaffen macht. Dazu kommen noch Unmengen von Moskitos und undefinierbare Käfer, die uns besonders kurz vor Sonnenuntergang und kurz nach Sonnenaufgang das Leben schwer machen. Man merkt, es geht immer tiefer hinein in den Dschungel. Etliche Lkw`s mit gigantischen Baumstämmen aus dem Regenwald kommen uns entgegen.

... immer noch wird der Regenwald abgeholzt

... immer noch wird der Regenwald abgeholzt

Die Sonne ist bereits untergegangen. Nach Urubicha, unserem Zielort, wären es noch 50 Kilometer. Da wir den Weg nicht kennen, beschließen wir hierzubleiben und fragen den Chef des kleinen Dschungelflughafens ob wir an der Flugpiste übernachten dürfen. Kein Problem!

... der Urwald brennt, Sonnenuntergang an der Flugpiste

... der Urwald brennt, Sonnenuntergang an der Flugpiste

Kurz nach Sonnenaufgang geht es weiter nach Urubicha. Ab Ascencion führt der Weg noch mal über 40 Kilometer tiefroter Erdstraße in Richtung Nordosten. Wir fahren an unzähligen Termitenhügel vorbei. Wären da nicht die vielen Palmen, könnte sich die Szenerie auch irgendwo in Australien abspielen. Es ist Sonntag früh kurz vor neun Uhr. In dem Moment als wir am Dorfplatz einbiegen, kommen die Leute gerade vom Gottesdienst aus der Missionskirche.

... auf den Weg nach Urubicha

... auf den Weg nach Urubicha

Pater Walter, ein Franziskaner Mönch, der dieses Jahr schon vierzig Jahre hier am Rio Blanco lebt, hat eine alte Tradition wieder ins Leben gerufen. Er brachte die Musik zurück zu den Ciquitanos, wie sich die Indios hier in Urubicha nennen. Die Jesuiten waren es, die vor 300 Jahren zum ersten Mal den Ureinwohnern das Musizieren mit europäischen Instrumenten lehrten. Nach der Verbannung des Ordens verschwanden auch die Indios wieder im Regenwald. Nun wagte Pater Walter vor Jahren einen neuen Versuch. Selbst den Instrumentenbau, eine lange Tradition der Chiquitanos, reanimierte er.

... Pater Walters Ministranten

... Pater Walters Ministranten

Zusammen mit Schwester Ludmila gründete er vor elf Jahren eine Musikschule und gibt den Jugendlichen nun die Möglichkeit sich musikalisch fortzubilden. Bis vor kurzem war Klassische Musik in Bolivien noch Mangelware, doch dann kamen die Indios mit ihrer Barockmusik aus dem Regenwald. Letztes Jahr wurde der Chor und das Orchester aus Urubicha von Adveniat zu einer Deutschland-Tour eingeladen. Die jungen Musiker und Sänger gaben in den verschiedensten Städten Konzerte. Schwester Ludmila zeigt uns die Musikschule. Sie erzählt uns, es werden elf verschiedene Instrumente unterrichtet und die Musikschule wird ständig erweitert. Ziel ist es, ein Musikgymnasium mit Internat einzurichten. Sie verrät uns, auch dieses Jahr im November und Dezember werden sie nach Deutschland fahren und wieder Konzerte geben.

... Schwester Ludmila führt uns durch die Musikschule

... Schwester Ludmila führt uns durch die Musikschule

Pater Walter lädt uns ein in der Missionsstation zu bleiben und wir werden in einem Gästezimmer einquartiert. Der Gebäudetrakt in dem unser Zimmer ist, besteht noch original aus der Kolonialzeit. Wir kommen uns vor wie in einem Kloster. Die Wände sind über einen Meter dick und die Räume über vier Meter hoch. Das Zimmer ist spartanisch eingerichtet. Wir haben die Wahl zwischen Bett und Hängematte.

... manchmal hilft nur noch das Wörterbuch weiter

... manchmal hilft nur noch das Wörterbuch weiter

Die Missionsstation ist im Quadrat gebaut, ähnlich einem Vierseithof. An der Frontseite steht die Kirche. In den Seitengebäuden ist eine Weberei, eine Schreinerei und eine Holzschnitzerei untergebracht. Das Krankenhaus, die Schule, die Gärtnerei, die Rinderfarm und die Musikschule sind außerhalb der Missionsstation angelegt. Auch ein kleiner Verkaufsladen in dem selbst gefertigte Produkte angeboten werden, befindet sich an der Frontseite neben der Kirche.

... die Missionskirche von Urubicha, links das Missionsgebäude aus der Kolonialzeit im dem wir wohnen

... die Missionskirche von Urubicha, links das Missionsgebäude aus der Kolonialzeit im dem wir wohnen

Wir haben eine kleine Überraschung für Pater Walter dabei. Mein Onkel, der eigentlich die Idee hatte dass wir diese Mission besuchen, hat uns einige Bilder aus den Fünfziger Jahren aus seiner Zeit im Priesterseminar mitgegeben. Pater Walter war im gleichen Priesterseminar, nur in einer anderen Jahrgangsstufe und auf den Bildern sind somit einige Mitpriester zu sehen, die auch Pater Walter kennt. Als er die Bilder sieht, fallen ihm wieder einige Anekdoten ein, die sich damals zugetragen haben.

... Pater Walter Neuwirth, geboren im Böhmerwald als jüngstes von 10 Kindern, lebt seit 40 Jahren in Urubicha

... Pater Walter Neuwirth, geboren im Böhmerwald als jüngstes von 10 Kindern, lebt seit 40 Jahren in Urubicha

Es gab viel zu lachen mit ihm und Schwester Ludmila an diesem Abend. Auch Pater Walter hat eine kleine Überraschung für uns bereit. Er erzählt uns, dass die Nachbarmission von einem Franziskanerpater betreut wird, der Franz heißt und aus Schwandorf kommt. Schwandorf ist die Kreisstadt meines Heimat-Landkreises. „Er würde sich sicher freuen wenn ihr in besuchen kommt und ich melde euch gleich morgen früh telefonisch an“ meint Pater Walter. Eine tolle Idee; auch wir freuen uns schon auf den morgigen Tag und das Treffen mit Pater Franz.

... Yaguaru, die Missionsgemeinde die Pater Franz betreut

... Yaguaru, die Missionsgemeinde die Pater Franz betreut

Nach dem Frühstück fahren wir los. Es geht wieder über staubige Erdstraßen durch den Dschungel. Wir sind froh, dass es staubt und trocken ist. Denn in der Regenzeit hätten wir mit unserem Bus auf diesen Wegen keine Chance. Der Ort in dem Pater Franz seit zweieinhalb Jahren Seelsorger ist, heißt Yaguaru und liegt ca. 40 Kilometer von Urubicha entfernt. Kurz vor Mittag treffen wir in der Missionsstation bei Pater Franz ein. Er erzählt uns aus seinem Leben und seiner Arbeit hier. Nach dem Essen fahren wir mit seinem Jeep durch die Gemeinde und er zeigt uns die Projekte um die er sich kümmert.

... Pater Franz zeigt uns seine Gemeinde

... Pater Franz zeigt uns seine Gemeinde

„Noch keine Minute ist mir langweilig geworden“, sagt er. Für alles was er macht, muss er erstmal Geld aufbringen. Sei es für den Hausbau einer Familie, Geld für eine Operation oder Geld für Schulbücher die sich viele nicht leisten können. In der kurzen Zeit seitdem er hier ist, hat er bereits 60 Häuser gebaut. Wir könnten Stunden lang zuhören aber Pater Franz hat heute noch andere Termine.

... Pater Franz Gruber, kommt aus Schwandorf

... Pater Franz Gruber, kommt aus Schwandorf

Wir danken ihm, dass er sich kurzfristig für uns so viel Zeit genommen hat um uns Einblick in seine Arbeit zu gewähren, denn da er in zwei Tagen zum ersten mal einen Heimaturlaub antritt, hat Pater Franz noch einiges zu erledigen. Auf der Rückfahrt nach Urubicha ist es ruhig. Wir sind beide beeindruckt und hängen unseren Gedanken nach. Auch wenn die Kirche in den letzten Jahrhunderten nicht immer nur Gutes mit ihrer Missionierung verbreitet hat, sollte man vor solchen Menschen wie wir sie heute und in den letzten Tagen kennengelernt haben den Hut ziehen. Es fehlen uns einfach die Worte um zu beschreiben mit welchem Einsatz sie an ihre Aufgaben herangehen und was sie für andere Menschen leisten.

... Waschtag bei den Chiquitanos

... Waschtag bei den Chiquitanos

Es waren interessante Tage hier in Urubicha und Yaguaru. Uns hat es gut gefallen und wir haben wieder mal einiges gelernt für unser Leben. Eine Reise ist auch immer eine innere Reise.
Nun, unsere Reise geht weiter und führt uns ca. 250 Kilometer weiter östlich nach Concepcion. Wir wollen das Grab von Bischof Eduard Bösl besuchen, der in der Missionskirche in Concepcion an einem Seitenaltar begraben liegt. Bischof Bösl stammt aus Hirschau, unweit meiner Heimatstadt Pfreimd und war bis vor seinem Tode im Jahr 2000 hier Missionsbischof.
Als wir der Sekretärin des jetzigen Bischof über den Weg laufen und ihr erklären, wir kommen aus der selben Gegend wie Bischof Bösl und wir würden gerne sein Grab besuchen, lädt sie uns spontan ein zu übernachten und weist uns ein Zimmer zu. Nach dem wir ihr sagen „ uns würde ein Standplatz für unseren VW-Bus reichen“ meint sie „ dem Bischof Bösl würde das nicht recht sein und wir sollen doch das Angebot annehmen“. Angebot angenommen. Nun schlafen wir schon die vierte Nacht in einem „richtigen Bett“ und bekommen langsam Entzugserscheinungen gegenüber unserem VW-Bus-Bett. Ausgeschlafen, verabschieden wir uns am anderen Morgen aus dem Missionsgebiet und machen uns auf dem Weg Richtung Süden nach Paraguay. Davon berichten wir im nächsten Reisebericht.
Raimund und Michaela

Bolivien Ollagüe – Uyuni – Potosi – Sucre

Kurz ein paar Informationen zu Land und Politik. Bolivien wird geprägt durch drei Landschaftsformen. Im Südwesten der Altiplano, eine Hochebene zwischen 3500 m und 4500 m, die über weite Teile fast menschenleer ist. Im Nordosten das Tiefland, das ausschließlich vom Regenwald überzogen und größtenteils unzugänglich ist. Und im Südosten befindet sich der Chaco, eine eher trockene Ebene die sich über Paraguay bis hinein in den Argentinischen Norden zieht.

... Bolivianerin mit dem Manta, das traditionelle Tragetuch für alle Zwecke

... Bolivianerin mit dem Manta, das traditionelle Tragetuch für alle Zwecke

Über 70 % der 8 Millionen Bolivianer zählen sich zu indianischen Gruppen. Zum ersten mal in der Geschichte des Landes ist einer von ihnen zum Präsidenten gewählt worden. Evo Morales, der aus einer Aymara-Familie stammt, hat sehr viele Sympathien in der Bevölkerung und seit er im Amt ist, haben die Ureinwohner mehr Rechte. Für sie ist er ein Held, für die Amerikaner und für viele der wenigen Reichen, die es in Bolivien gibt, ist er ein Terrorist. Obwohl Bolivien an Bodenschätzen gesegnet ist, besonders an Erdgas, ist es das Armenhaus Südamerikas. Die Weltbank und IWF unter Führung der USA machte in den 90er Jahren Bolivien die Auflage „Es gibt nur Entwicklungshilfe und Kredite wenn die Erdgasgewinnung privatisiert wird“. Nutznießer waren ausländische, vor allem Amerikanische und Europäische Öl- und Gaskonzerne. Selbst die Arbeitsplätze zur Erdgasgewinnung wurden durch bereits ausgebildete ausländische Fachkräfte besetzt. Die meisten Petrol-Dollars gingen außer Landes und die Bevölkerung ging leer aus. Morales versprach dem Volk, bei einer Wahl zum Präsidenten werde er den gesamten Erdöl- und Erdgassektor verstaatlichen und die Gewinne kommen der verarmten Landbevölkerung zugute. Daraufhin drohte der US-Amerikanische Botschafter Manuel Rocha „ Bei einer Wahl Morales zum Präsidenten wird die USA ihre Entwicklungshilfe streichen und ihre Märkte für Bolivien schließen“. Die überwiegend Indigene Bevölkerung ließ sich nicht einschüchtern und wählte Evo Morales zum Präsidenten. Drei Monate nach seiner Präsidentenwahl, löste Morales sein Wahlversprechen ein und verstaatlichte die gesamte Erdöl- und Erdgasförderung. Es ist nur eine Frage der Zeit wie lange Morales an der Macht bleibt. Seine politischen Gegner, unterstützt von der US-Regierung, schmieden bereits schon Pläne zum Sturz. Es kann einem richtig schlecht werden, wenn man sieht, wie und wo die US-Regierung im Hintergrund ihre Fäden spinnt und welchen Druck sie zum Gebrauch ihrer Macht weltweit ausüben. Leidtragende sind dann immer die kleinen Leute, besonders die Kinder. Schon einmal gab es einen Mann vor genau 40 Jahren, der sich für die Unterdrückung der Bauern und der Ureinwohner einsetzte. Es ist der weltweit zum Kult gewordene„Che Guevara“. Der damals 39 jährige bärtige Revolutionär mit seiner schwarzen Baskenmütze wurde im Oktober 1967 in den Bergen ca. 150 Kilometer östlich von Sucre während eines Gefechts einer Spezialeinheit der bolivianischen Streitkräfte verwundet und anschließend hingerichtet. Die Hintermänner dieses angezettelten Gefechts stammten aus dem US-Geheimdienst CIA. Doch der Mythos „Che Guevara“ lebt noch heute.
Dies war eine kurze Einführung, nun aber wollen wir mit dem Reisebericht beginnen.

Satelliten -Foto Bolivien - unsere Reiseroute

Satelliten -Foto Bolivien - unsere Reiseroute

Oben am chilenisch-bolivianischen Grenzübergang in Ollagüe treffen wir uns alle wieder, die wir bereits am Campingplatz in Calama Tage zuvor gestanden haben. Volkmar und Gudrun aus Berlin mit ihren VW-Bully, Walter und Marion in ihrem MAN-Truck aus Warstein und Paul, Joe mit ihrem vierjährigen Sohn Eliot aus England im rechtsgesteuerten Landrover. Wir machen uns auf den Weg zur Zollabfertigung; da kommt uns Paul entgegen und meint britisch cool „ Wir fahren heute nach San Pedro zurück, da uns die Bolivianer nicht haben wollen“. Zuerst denken wir das ist ein Scherz. Aber das ist es nicht, da Pauls Landrover das Lenkrad auf der rechten Seite hat, lassen ihn die Bolivianer nicht einreisen. Die chilenischen Grenzbeamten geben Paul den Tipp, er solle doch über San Pedro einreisen, da sind die bolivianischen Kollegen nicht so streng. Das heißt 300 Kilometer Schotterpiste zurück nach San Pedro und dann ist noch immer nicht gewiss ob er einreisen darf. Wir haben Paul mit seiner Familie bisher noch nicht wieder in Bolivien getroffen, obwohl es meist die selben Routen sind, welche die Globetrotter einschlagen.

.... Verabschiedung am bolivianischen Grenzübergang, mit dem Wissen, dass wir uns in den nächsten Wochen und Monaten irgendwo wieder sehen werden

.... Verabschiedung am bolivianischen Grenzübergang, mit dem Wissen, dass wir uns in den nächsten Wochen und Monaten irgendwo wieder sehen werden

Das Abenteuer Bolivien kann beginnen. Die nächsten Wochen werden wir im wilden Südwestens Bolivien verbringen, vorausgesetzt die extremen Klimaverhältnisse, die ungewohnte Höhenluft und die schlechten Straßen machen uns keine Probleme. Es geht durch bizarre Felslandschaften, die Bergriesen am Horizont immer vor den Augen, bevor wir am Abend die Stadt Uyuni am gleichnamigen Salzsee „Salar de Uyuni“ erreichen.

... Marktfrau in Uyuni mit typischem Bowlerhut

... Marktfrau in Uyuni mit typischem Bowlerhut

In Bolivien gibt es kaum Campingplätze. Draußen in der Pampa ist es kein Problem, da kann man überall „wild“ campen. In den Städten jedoch sollte man so weit dies möglich ist, die Fahrzeuge auf abgeschlossenes oder bewachtes Gelände stellen. Notfalls vor der Polizeistation parken. Wir haben den Tipp erhalten, beim Hotel Misthel kann man sich gegen geringe Bezahlung auf den Hinterhof stellen. Wir sind froh über diesen Tipp, da es bereits dunkel wird. Erst am Morgen bei Tageslicht nehmen wir unseren Übernachtungsplatz unter die Lupe.

... „Romatikhotel Misthel“, Müllplatz, Kfz-Werkstatt und Schrottplatz

... „Romatikhotel Misthel“, Müllplatz, Kfz-Werkstatt und Schrottplatz

Der Platz ist nicht gerade romantisch, aber wir sind froh, dass wir sicher stehen können und praktisch mitten im Zentrum sind. Von hier aus können wir alles zu Fuß erkunden. Einige Kilometer außerhalb von Uyuni wurden auf einem Abstellgleis über die Jahre unzählige ausrangierte Dampflokomotiven und Wagone, ja ganze Geisterzüge, zum verrosten einfach in die Landschaft gestellt. Dieser Dampflokomotiven-Friedhof ist nicht nur für Eisenbahn-Freaks sehenswert und man kann ihn locker zu Fuß in einer Stunde besichtigen.

... Dampflokomotiven-Friedhof von Uyuni

... Dampflokomotiven-Friedhof von Uyuni

Der Hauptgrund, warum die meisten Touristen die Strapazen der Fahrt nach Uyuni auf sich nehmen und es sie in diese Abgeschiedenheit schlägt, ist der Besuch des größten Salzsees der Welt. Deshalb machen auch wir hier Station. Zuerst wollten wir selbst mit unserem Fahrzeug auf den 3660 m Höhe gelegenen Salzsee fahren und dort übernachten.

...„Salar de Uyuni“, 12 m dicke Kochsalzpiste

...„Salar de Uyuni“, 12 m dicke Kochsalzpiste

Da sich das Salz während der Fahrt am Unterboden des Fahrzeuges festsetzt und es nur mit Mühe – lediglich teilweise – wieder entfernt werden kann, rostet der Unterboden in kürzester Zeit durch. Dieses Risiko gehen wir nicht ein und buchen bei einer Agentur eine Tagestour zu einer der vielen Inseln die es im Salzsee gibt. 20 US-Dollar kostet uns der Ausflug pro Nase. Um 11:00 Uhr vormittags geht es mit einen Geländewagen über die Kochsalz-Piste in die weiße Endlosigkeit hinaus. An Bord sind außer dem Fahrer und einer Köchin noch sechs Fahrgäste: ein Peruaner, ein Bolivianer, ein englisches Pärchen und wir. Zuerst fahren wir zum Salzhotel, dass irgendwo mitten auf dem Salzsee steht. Alles bis auf das Strohdach ist aus Salzblöcken hergestellt. Von den Tischen und Stühlen bis hin zum Bett. Es geht weiter zur „Isla de los Pescadores“ (Insel der Fischer).

 ... Isla de los Pescadores

... Isla de los Pescadores

Warum diese Insel so heißt kann uns keiner sagen. Ein Wanderweg geht über die Insel an tausenden von Kakteen vorbei. Selten haben wir eine solch bezaubernde Landschaft gesehen. Unsere Köchin bereitet am Spätnachmittag das Essen vor. Es gibt Grillfleisch, Quinua und Salate.

 ... „Kaktus-Insel“ würde besser passen

... „Kaktus-Insel“ würde besser passen

Gegen 17:00 Uhr treten wir gestärkt die Rückfahrt an und sind gegen Abend wieder in unserem „Romantik-Hotel“ zurück. Der Hinterhof auf dem wir stehen grenzt an eine Kaserne, die „sehr musikalische“ Soldaten hat. Täglich werden wir um 5.30 Uhr durch den Weckruf eines Trompeters geweckt. Eine halbe Stunde später geht’s mit Marschmusik weiter. Aber das ist noch nicht alles. Anscheinend liegt das Probezimmer nur einige Meter hinter der Kasernenmauer neben unseren Hinterhof. Den ganzen Tag geht das Gedudel weiter, selbst als ehemaliger Blasmusiker geht mir das Ganze auf dem Geist. Oft wird uns der Lärm am Abend dann zu viel und wir kochen nicht mehr und flüchten in die Stadt um in einen der Restaurants zu essen. Bei der Essensauswahl ist Michaela mit den exotischen Speisen experimentierfreudiger. Sie bestellt Vicunja- und Lamafleisch, dazu Quinua eine einheimische Getreidebeilage des Hochlandes. Ich bevorzuge meist das klassische Schnitzel mit Pommes. Für ein ausgiebiges Abendessen für zwei Personen mit Salat, Beilagen, Wein und Bier zahlen wir im Schnitt 5 EUR. Beim Zurückgehen zu unserem „Nachtcamp“ pfeift der Wind vom Salzsee kommend durch die staubigen Straßen und wir ahnen schon: Diese Nacht wird genauso kalt wie letzte Nacht. Uyuni wird nicht umsonst als Kühlschrank Boliviens verspottet. Dem können wir nur zustimmen. Letzte Nacht hatte es – 15 ° C und sogar im Businneren waren es immer noch –2° C.

 ... frostige Nächte bis – 15°C

... frostige Nächte bis – 15°C

Da hilft am Morgen nur eine Kanne heißer Tee und am besten gar nicht vor Sonnenaufgang aufstehen. Innerhalb einer Stunde verwandelt die Sonne dann die Temperaturen auf über
+ 20°C . Kurz vor unserer Abreise aus Uyuni lernen wir noch eine belgische Familie kennen die mit ihren vier Kindern, darunter ein Säugling, mit einem umgebauten LKW unterwegs sind. Sie wollen auch mit ihrem Fahrzeug über den Salzsee fahren. Einige Tage später erfahren wir von anderen Reisenden welche sie getroffen haben, dass sie mit ihrem LKW auf dem Salzsee eingebrochen sind und sie 72 Stunden warten mussten bis Hilfe kam. Nach vier Tagen verlassen wir nun Uyuni und fahren über die Cordillera de Chichas in Richtung Potosi.

 ... Indigena-Bäuerin auf dem Feld

... Indigena-Bäuerin auf dem Feld

Neben einem Dorf schlagen wir unser Nachtlager auf, das an einer kleinen Lagune liegt. Am frühen Morgen, ein Blick aus dem Fenster, wir trauen unseren Augen nicht. Wir stehen mitten in einer Herde von ca. zweihundert Lamas. Eine Hirtin treibt gerade ihre Lamas auf die Weide wo wir stehen.

... Hirtin am frühen Morgen mit ihrer Lamaherde

... Hirtin am frühen Morgen mit ihrer Lamaherde

Sobald wir von der Morgensonne aufgetaut sind, brechen wir wieder auf. Wir passieren kleine Dörfer die an der Strecke liegen. Die meisten Bauern hier sind ärmlich und leben von ihrer Lamazucht. Ab und zu begegnen wir kleinen Eselherden, die am Wegesrand fressen. Zweimal noch durchqueren wir Bäche, die von der letzten Regenzeit übrig geblieben sind. Vor der Durchfahrt haben wir immer dieselbe Prozedur: Schuhe und Hose ausziehen, anschließend prüfen wie tief das Wasser ist. Bleibt die Unterhose trocken, können wir mit Schwung durchfahren. Wenn das Wasser tiefer als 70 cm wäre, würde unser Motor anstelle von Luft Wasser ansaugen und wir müssten die ganze Strecke wieder zurück fahren. Vor vier Wochen hätten wir hier keine Chance gehabt die Bäche zu passieren. Bis jetzt hatten wir jedes Mal Glück. Kurz vor Potosi geht es noch mal durch einen kleinen Canion bevor wir gegen Mittag das Stadtzentrum erreichen.

... auf dem Weg nach Potosi

... auf dem Weg nach Potosi

Potosi, mit seinen 120 000 Einwohner liegt auf 4070 m Höhe und gilt neben der tibetischen Stadt Lhasa als höchstgelegendste Stadt der Erde. Für uns sind die Höhenangaben momentan wichtiger Bestandteil unseres Reisealttags um zu wissen Wann und Wo müssen wir uns richtig akklimatisieren damit wir gesundheitliche Risiken mindern können.

 ... Potosi, ein Blick über die Stadt

... Potosi, ein Blick über die Stadt

Wir beleiben nicht lange in der Stadt mit dem Silberberg. In der Vergangenheit war es eine der wichtigsten Städte des spanischen Imperiums in Südamerika. Das mit Schweiß und Blut der Indianer befleckte Silber, bescherte Spanien unendlichen Reichtum. Viele tausende Ureinwohner haben in diesen Berg ihr Leben gelassen. Sklaverei, Zwangsarbeit, Ausbeutung der Menschen, das war vor einigen hundert Jahren. Die Arbeitsbedingungen haben sich aber seit der Kolonialzeit kaum geändert. Heute treibt die extreme Armut die Menschen in den Stollen. Wir können es kaum glauben, noch heute werden tausende von Kinder von ihren Eltern zum Arbeiten in den Berg geschickt. Oft sind sie gerade mal 12 Jahre alt. Sie arbeiten täglich bis zu 12 Stunden, meist von 19:00 Uhr abends bis 7:00 Uhr früh. Dann gehen sie zur Schule und schlafen vor Erschöpfung ein. Ihre Körper sind bereits in jungen Jahren schon ausgemergelt. Nur wenige von ihnen erreichen das 35. oder 40. Lebensjahr. Die meisten sterben an der Silikose (Staublunge). Kinderarbeit ist in Bolivien gesetzlich verboten, aber angesichts der Armut hat das Gesetz keine große Bedeutung. Verstöße werden nicht geahndet. Wir wollen nicht wegschauen und Euch nicht nur von der Schönheit des Landes und den netten Menschen berichten. Solche Themen stehen in keinem Reiseführer. Durch Bolivien zu reisen, in Großstädten und abseits der Touristenströme, erlebt man den realen Alttag und die Armut der Menschen. Bolivien ist das ärmste Land Südamerikas. Wir begegnen immer wieder der Armut. Mehr darüber im Verlauf des Berichtes.

  ... Sucre, der Tag geht, die Nacht bricht an

... Sucre, der Tag geht, die Nacht bricht an

Wir wollen noch vor Sonnenuntergang in Sucre eintreffen, wo wir von Gudrun und Volkmar den Tipp zum Übernachten im Hinterhof des Hostal Pachamama bekommen haben. Das von einer einheimischen Familie betriebene Hostal, das direkt im Zentrum liegt, hat diesmal wirklich einen nennenswerten Hinterhof, wo wir mit unseren VW-Bus stehen können. Es gibt sogar grünen Rasen auf den Stuhl- und Tischgruppen aus Sandstein stehen. Anna, die Besitzerin hat in diesen Hinterhof viel Zeit und Liebe investiert. Überall wachsen grüne Pflanzen und bunte Blumen. Und noch ein positiver Aspekt: Wir sitzen seit langem wieder mal bis spät in die Nacht im Freien ohne Erfrierungserscheinungen , obwohl der Ort auf 2800 m Höhe liegt.

 ... jeder fängt mal klein an

... jeder fängt mal klein an

Sucre ist die offizielle Hauptstadt Boliviens und der Sitz des obersten Gerichtshof . Die Regierungsgeschäfte werden aber in der Millionenstadt La Paz getätigt. Keine spanische Kolonialstadt in Südamerika ist über die Jahrhunderte noch so gut erhalten geblieben wie Sucre. Sie wurde wie Rom auf sieben Hügel gebaut und man nennt sie auch „die weiße Stadt”, auf Grund seiner in weiß getünchten Fassaden.

 ... Indigenafrau beim Stricken

... Indigenafrau beim Stricken

Uns verzaubert diese Stadt. Wir finden es ist keine typische bolivianische Stadt. Mit seinen vielen Studenten hat sie einen internationalen Flair, den man auch spürt. Vergleichbar mit einer deutschen Stadt ist es vielleicht das bolivianische Regensburg. Wir fühlen uns wohl hier und drehen jeden Tag eine andere Route durch die Stadt. Das kann noch einige Tage so weiter gehen.

... über den Dächern von Sucre

... über den Dächern von Sucre

Wir fragen Anna, ob sie uns ein Lokal zum Abendessen empfehlen kann. Sie schickt uns ins Oriental, wo wir die einzigen „Weißen“ unter den einheimische Gästen sind. Am Eingang steht eine große Plastikwanne auf zwei Stühlen, wie man sie bei uns zum Baden von Säuglingen benutzt. Darin befindet sich eine braunes Getränk das optisch eine Ähnlichkeit mit Jauche (bayerisch: Odl) hat. Jeden Gast wird dieses Getränk aus der Wanne mit einen großen Schöpflöffel in ein Glas eingeschenkt. Wir bringen es nicht übers Herz dieses Getränk zu probieren und lassen die Kellnerin frühzeitig wissen, dass wir gerne auf das Getränk verzichten und lieber ein Bier hätten. Zum Bierholen muss sie außer Haus gehen und kommt in wenigen Minuten mit zwei Flaschen zurück. Eine Speisekarte gibt es nicht, nur Einheitsgericht „ Pollo con Papas“( Grillhendl mit Kartoffeln). Michaela bestellt sich eine viertel Portion und ich eine halbe Portion. Mein Hendl hängt links und rechts weit über den Tellerrand hinaus. Michaela bekommt fast einen Lachkrampf. So große Hühner haben wir unserer Lebtage noch nicht gesehen. Die Luft im Lokal ist heiß und stickig. Am geöffnetem Fenster steht ein Bettler der mit einer zusammengeknüllten Plastiktüte in der Hand spielt. Er sucht Blickkontakt mit den Gästen. Für viele Gäste ist er unsichtbar. Nur ein kurzer Blick vom Bruchteil einer Sekunde und ein kurzes Nicken meinerseits und er weiß, daß er heute nicht ohne Essen zu seinen Kindern zurückkehren wird. Wir lassen uns ein halbes Hendel und eine große Portion Kartoffeln zum Mitnehmen einpacken. Am Ausgang wartet er schon, dankt uns tausendmal und meint, „er brauche das Essen nicht für sich sondern für seine Kinder“. In Argentinien und Chile haben wir täglich die Straßenhunde gefüttert. Hier sind es die Menschen, die Unterstützung brauchen. Am anderen Tag lernen wir Bruno, einen Franzosen unseres Alters kennen.

... Bruno die „Krankenschwester“ und der „Schamane“

... Bruno die „Krankenschwester“ und der „Schamane“

Er wohnt seit einigen Monaten im gleichen Hostal, wo wir mit unseren VW-Bus stehen. Bruno ist gelernter Krankenpfleger, deshalb sagen wir auch zu ihm „Bruno die Krankenschwester“. Er arbeitet freiwillig auf unbestimmte Zeit hier als „Krankenschwester“ ohne auch nur einen Cent zu verdienen. Selbst seine Übernachtungs- und Verpflegungskosten zahlt er aus eigener Tasche. Er betreut ca.150 Kinder von ca. 2000 Kinder die in Sucre auf der Straße leben. Die meisten Kinder werden von den Eltern verlassen da sie hier keine Arbeit haben und ins Ausland zum Arbeiten gehen und nicht wieder kommen. Die Kinder sind sich dann selbst überlassen. Er erzählt uns von seiner Arbeit. Michaela hat sogar die Möglichkeit Bruno bei seiner Arbeit zu begleiten und Einblick in den Alttag der Straßenkinder zu bekommen. Michaelas alte Schuhe, welche nach europäischem Standart ausgedient haben und wir durch neue ersetzen, gibt sie einem Mädchen, welches bisher Winter wie Sommers Sandalen trug. Fünf Tage vor unserer Abreise aus Sucre kommt es zu einer Tragödie. Ein Kleinbus der mit Touristen zum Sonntagsmarkt nach Tarabuco unterwegs ist, verunglückt auf der Rückfahrt. Neben einigen Schwer- und Leichtverletzten kommt eine 20 jährige Kanadierin dabei ums Leben. Da auch einige Touristen aus unseren Hostal im verunglückten Bus saßen, machen sich Bruno und Anna, die Besitzerin des Hostals, sofort nach Eintreffen dieser Nachricht auf den Weg ins Krankenhaus um zu Helfen und zu Dolmetschen. Erst spät in der Nacht kommen beide wieder zurück. Gott sei dank wurde keiner der hier wohnenden Touristen schwerwiegend verletzt. Bruno verlegt am anderen Tag das Behandlungszimmer des Krankenhauses einfach in den Garten des Hostals und verpflegt und wechselt die Verbände der Verletzten die im Hostal wohnen. Anna erweist sich nicht nur als die Besitzerin eines Hostals sondern als die fürsorgende Mutter Bolivia.
Nun Themawechsel !

... Franziskaner-Klosterkirche La Recoleta, eine von 22 Kirchen und Kapellen aus der spanischen Kolonialzeit die es in Sucre noch gibt.

... Franziskaner-Klosterkirche La Recoleta, eine von 22 Kirchen und Kapellen aus der spanischen Kolonialzeit die es in Sucre noch gibt.

Am Spätnachmittag, wenn die Sonne schon tief am Horizont steht, gehen wir oft hinauf zum Convento La Recoleta, einem 400 Jahre alten Franziskanerkloster. Von hier oben hat man einen tollen Ausblick über die Stadt und es ist ein außergewöhnlich stiller Ort im Gegensatz zu dem pulsierenden Zentrum unten in der Stadt. Hier lernen wir Sanjosa und andere Indigenas kennen die ihre selbst gebastelten Waren und Textilien den Touristen anbieten.

... Sanjosa und Michaela

... Sanjosa und Michaela

Wir erzählen ihnen von unseren Familien, von Deutschland und Europa. Als wir erwähnen, dass im äußersten Norden Europas die Sonne im Sommer für Monate nicht mehr untergeht oder im Winter nicht mehr aufgeht, brechen sie in Gelächter aus und können es kaum glauben. Immer mehr „Teilnehmer“ pirschen sich unbemerkt heran und hören uns neugierig zu. Zum Ende hin fragen sie uns dann immer „ kommt ihr morgen wieder“. Auf jeden Fall haben wir jeden Tag eine Menge Spaß miteinander.

 ... jeden Tag eine Menge Spaß miteinander

... jeden Tag eine Menge Spaß miteinander

Auf unserer Reise waren wir bislang an keinem Ort solange als hier. Die Stadt, die Menschen mit ihrer Freundlichkeit sind uns die letzten 18 Tage ans Herz gewachsen. Aber wir müssen wieder mal weiter. Schnell stellen wir noch diesen Reisebericht ins Internet, denn wer weiß wann die nächste Möglichkeit besteht.
Bis Bald ! Raimund und Michaela

Argentinien – Chile Fiambala – Paso de San Francisco – Copiapo – Antofagasta – San Pedro de Atacama – Calama – Richtung Bolivien

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegen unzählige Plastikflaschen, die mit Wasser gefüllt sind. Wir halten diesmal an, da uns solche Ansammlungen schon öfters aufgefallen sind und sie aber bisher als Müllberge gehalten haben. Nach genauerem Hinsehen bemerken wir hinter den Flaschen einen kleinen Altar auf welchem eine Gipsfigur in Form einer auf dem Rücken liegenden Frau samt Säugling an ihrer Brust darstellt. Wir können uns keinen Reim daraus machen und erkundigen uns bei Jorge, einem Kioskbudenbesitzer im nächsten Dorf. Er erzählt uns die Geschichte von Deolinda Correa, die sich 1841 ereignet hat. Deolinda Correa war eine mutige Frau die sich im hochschwangerem Zustand ohne Wasser und Proviant in die Wüste begab auf der Suche nach ihrem Mann den sie aus der Armee befreien wollte. Sie gebar unterwegs und starb den Tod des verdurstens. Aber das Kind lebte, trotz allem weiter da ihre Brüste noch Milch gaben. Auf den Rücken liegend, eine Brust entblößt, auf ihrem Bauch der Säugling, so fanden Gauchos sie und retteten das Kind. Alle Jahre zum Osterwochenende pilgern über 50 000 Gläubige an die Stelle wo man sie gefunden hat. Die Difunta (span.= Verstorbene) Correa ist in Argentinien eine Volksheilige, auch wenn die Kirche sie nicht als solche anerkennt. Wer an sie glaubt – denen hilft sie in allen Lebenslagen und schon viele Wunder hat sie vollbracht. Es gibt unendlich viele Geschichten von den Wundern, die sie vollbracht hat.

... einer von tausenden Difunta Correa-Altäre am Straßenrand

... einer von tausenden Difunta Correa-Altäre am Straßenrand

Sie ist auch die Schutzheilige der Fernfahrer. Von Feuerland bis zur bolivianischen Grenze hoch kann man zu tausenden ihrer Altarverehrungen an den Straßenrändern finden. Irgendwann haben Leute angefangen Wasser zurückzulassen, damit kein Reisender verdursten sollte, so wie die Difunta. Früher war das Wasser zum Trinken da. Heute bleiben die Flaschen liegen, bis sie jemand wegräumt. Auch wir genehmigen uns noch ein kühlen Trink bei Jorge bevor wir an diesem heißen Tag wieder das „Asphaltflimmern“ vor unsern Augen haben. Wir sind wieder auf der Cuarenta unterwegs. Der bröckelnde Teerbelag verschmilzt langsam mit der roten Erdstraße. Es geht durch phantastisch karge Öde mit tausenden von Kandelaberkakteen. Im Rückspiegel sehen wir unsere Staubfahnen hoch wirbeln. Wir sehnten uns zwar nach sonnigem warmen Wetter aber mit so einer gnadenlosen Hitze hatten wir nicht gerechnet. Das Valle de la Luna und die berühmte Talampaya-Schlucht, wo Klapper- und Korallenschlangen zu Hause sind, lassen wir aus, denn was wir in den letzten Tagen an Naturschönheit erleben durften, kann man kaum noch überbieten. Dies müssen wir erst mal verarbeiten. Wir fahren weiter durch Kakteenland über die Schluchtenstraße der Cuesta de Miranda mit seinen 800 Kurven und erreichen am Abend Chilecito wo wir im Nachbarort Santa Florentina auf einem trostlosen heruntergekommenen Campingplatz übernachten.

... Cuesta de Miranda, Kandelaberkakteen so hoch wie Häuser

... Cuesta de Miranda, Kandelaberkakteen so hoch wie Häuser

Neuer Tag, neues Glück. Was würde zu einem heißen Tag besser als Tagesziel passen als die heißen Thermen von Fiambala. Wir machen uns auf den Weg zu den 260 Kilometer entfernten Naturtermen. Ca. 15 Kilometer östlich von Fiambala liegen in einer Schlucht auf 1800 m Meereshöhe 12 Badebecken die unter schattigen alten Bäumen terrassenförmig angelegt sind. Im obersten Becken kommt das Wasser mit 44°C aus dem Berg. Wenn die Becken voll sind, fließt das Wasser über einen kleinen Wasserfall in das jeweils darunter liegende Becken. Jedes weitere Becken hat dadurch eine um ca. 1 Grad niedrigere Wassertemperatur. Es wird dunkel und die meisten Tagesgäste haben ihre Heimreise bereits angetreten. Nur wenige badefreudige verbringen die Nacht hier oben an den Thermen. Wir lernen zwei Hamburger kennen mit denen wir uns bis 1:00 Uhr morgens in dem warmen Becken unter einem wunderschönen Sternenhimmel unterhalten. Am Morgen werden wir durch Baulärm geweckt. Der Parkplatz auf dem wir die Nacht verbracht haben wird zur Baustelle. Ohne Frühstück flüchten wir ins Tal. Kurzfristig beschließen wir, heute unsere zweite Andenüberquerung über den San Francisco Pass zurück nach Chile durchzuführen. Diesmal haben wir uns besser akklimatisiert und hoffen, dass das wir dadurch die Überquerung ohne gesundheitliche Probleme meistern. Die Passhöhe liegt auf 4748 m über dem Meeresspiegel. Wir tanken nochmal voll, denn die nächste Tankstelle von hier aus wird erst wieder im 580 Kilometer entfernten chilenischen Copiapo sein.Wir fahren – im warsten Sinne des Wortes – durch eine atemberaubend schöne Landschaft.

... San Francisco-Paß auf der argentinischer Seite

... San Francisco-Paß auf der argentinischer Seite

Der San Francisco-Paß ist ein sehr farbiger Pass, alle paar Kilometer wechselt das Gestein der umliegenden Berge seine Farben. Die einzigen Tiere welche wir hier oben noch zu Gesicht bekommen sind ein paar wilde Esel. Auf der argentinischen Seite ist die Straße bis zur Passhöhe durchgehend geteert. Mit zunehmender Höhe wird die Luft natürlich immer dünner. Michaela hat kurzfristig mal Herzrasen. Das ist ein eindeutiges Symptom der Puna (Höhenkrankheit). Nach ein paar Minuten ist es wieder vorbei. Ansonsten haben wir keine Probleme mehr. Alle 10 Kilometer stehen kleine Schutzhütten mit Sauerstoffflaschen und Erste Hilfe-Ausrüstung für Notfälle bereit.

... San Francisco Pass, wie aus einer anderen Welt

... San Francisco Pass, wie aus einer anderen Welt

Die argentinische Grenzabfertigung erfolgt kurz vor der Passhöhe. Die beiden Hamburger, die wir gestern in der Therme kennen lernten, kommen uns entgegen. Sie starteten heute schon sehr früh und wollten lediglich bis zur Passhöhe fahren, um sich abends dann wieder in den Thermen auszuruhen. Nur noch wenige Kilometer und wir sind am Pass angekommen auf 4748 m, der zugleich die Grenze zwischen Argentinien und Chile markiert. Auf chilenischem Gebiet geht es weiter auf Schotterpisten über eine weite Hochebene die auf über 4500 m liegt.
Im wahrsten Sinne des Wortes, wir fahren durch eine „atemberaubende“ Berglandschaft. An einer Lagune entdecken wir zwei Naturthermen und halten kurz unsere Füße ins badewannenwarme Wasser. Danach geht es Stunden weiter quer über die einsame Hochebene.

...Maler Natur,einsame und traumhaft schöne Hochebene am San Francisco-Paß, auf chilenischer Seite

...Maler Natur,einsame und traumhaft schöne Hochebene am San Francisco-Paß, auf chilenischer Seite

Ringsum ragen die Berge majestätisch in den Himmel. Alle Gipfel sind über 6000 Meter hoch. Wir kommen am Salzsee Maricunga vorbei wo unweit die chilenische Grenzstation steht. Zwei junge gelangweilte Grenzbeamte fertigen uns ab. Michaela hat wieder mal all unser Gemüse und Obst super versteckt – dachten wir! Die üblichen Fragen:“ Haben sie Milchprodukte, Fleisch, Obst oder Gemüse dabei“. Im selben Moment als Michaela selbstbewusst sagt „Natürlich nicht“, öffnet einer der Grenzer den Geschirrschrank und eine Tomate kommt ihm entgegengekullert. Er nimmt es mit Humor und wir müssen alle vier hellauf lachen. Die Tomaten werden trotzdem beschlagnahmt. Bevor wir wieder weiterfahren, vergnügen wir uns zusammen mit den Grenzern noch bei einer Tüte Haribo Goldbärchen, die wir in einen Supermark in La Serenas entdeckten und hier seltenheitswert hat. Es geht weiter. Nun kommen wir endlich von der Höhe runter und es geht stetig bergab die ganzen 180 Kilometer bis Copiapo. Kurz vor Copiapo ist die Region wieder besiedelt. Außer einigen Minen gibt es da oben nichts. Es ist bereits finster und deshalb übernachten wir an einer Esso-Tankstelle. Am nächsten Morgen geht es weiter auf der Panamericana in Richtung Norden. Wir befinden uns bereits in den südlichen Ausläufern der Atacama, eine der heißesten und trockensten Wüste auf diesem Planeten. In manchen Gegenden hat es hier schon seit über einhundert Jahre nicht mehr geregnet. Bei Chanaral machen wir noch mal einen Abstecher ans Meer wo sich der kleine Nationalpark „Pan de Azucar“ befindet, was soviel wie Zuckerhut heißt.

... Nachtlager im Nationalpark „Pan de Azucar“

... Nachtlager im Nationalpark „Pan de Azucar“

Die Besonderheit dieses Nationalparks sind die Kakteen, von denen zwanzig verschiedene Arten seiner Spezies nur hier wachsen. Die zweite Besonderheit – zumindest für uns – : Ingo, Joli und Reni, stehen mit ihrem Fahrzeug am Strand. Wie klein ist doch die Welt. Den Abend verbringen wir gemeinsam bevor wir am nächsten Morgen auf die Panamericana zurückkehren. Das Schweizer Trio bleibt noch einen Tag im Nationalpark.

... vom „Pan de Azucar“ zur Panamericana zurück

... vom „Pan de Azucar“ zur Panamericana zurück

Fast 1000 Kilometer durchzieht die Panamericana die Atacama-Wüste. Es ist Sonntag, nur vereinzelt kommen uns Fahrzeuge entgegen. Meist sind es LKW´s auf der Rückfahrt, die Güter in den dünn besiedelten Nordens Chile liefern. Soweit das Auge reicht, Wüste bis zum Horizont in den verschiedensten Brauntönen . Wir sehen eine größere Stadt in der Ferne, es muss Antofagasta sein. Eine der wenigen großen Städte im Norden. Als wir näher kommen sehen wir nur kniehohe Sträucher. Es ist eine Fata Morgana. Durch das Flimmern der Hitze wurden wir getäuscht. Am Spätnachmittag, endlich eine kühle Brise vom Meer . Nun können wir aber wirklich nicht mehr weit von Antofagasta entfernt sein.

... Sandskulptur bei Antofagasta

... Sandskulptur bei Antofagasta

Die 300 000 Einwohnerstadt ist auf einen Streifen von 15 Kilometer Länge terrassenförmig zwischen Meer und der Küstenkordillere eingebetet. Seit der Kupferpreis am Weltmarkt gestiegen ist, boomt die Wüstenstadt am Rande der Atacama. Minen wurden im Hinterland wieder geöffnet und von Antofagasta aus werden die wertvollen Metallplatten in die ganze Welt verschifft. Es geht weiter an der Küste bis Tocopilla bevor wir über Calama in das Wüstendorf San Pedro de Atacama fahren. Wir haben noch 200 Kilometer vor uns. Unterwegs nehmen wir Roman mit, der mit seinen defekten Pkw am Straßenrand steht. Kurze Zeit später stehen wir selbst an einer Steigung. Die Temperatur des Kühlwasser ist gestiegen. Dies ist uns unerklärlich. Beide Lüfter arbeiten, es ist genügend Kühlwasser im Kühler. Sollte es die dünne Luft und die Steigung sein, den wir sind bereits auf 3000 Meter über Meereshöhe. Wir warten bis das Wasser wieder abgekühlt ist und es geht weiter, Gott sei Dank bergab und ohne Probleme. Während der Fahrt erzählt uns Roman, das er in Chuquicamata, in der weltgrößten Kupfertagebaumine arbeitet die wir in wenigen Minuten passieren werden. In Calama lassen wir ihn raus. Er gibt uns seine Telefonnummer und lädt uns bei sich zu Hause ein. Mehr davon später. Kurz vor San Pedro stehen wir auf einer Anhöhe und sehen runter ins Tal bis zum Salar de Atacama (Salzsee) im Süden. Wir sehen nur eine grüne Oase von Bäumen und Sträuchern, keine Häuser nichts. Das besondere an dem Oasendorf ist die jahrhundert alte Flachbauweise der Häuser die meist aus getrockneten Lehmziegeln und Kaktusholz gebaut sind. Keines der Häuser verfügt über ein weiteres Stockwerk (bis auf das Polizeigebäude) und somit sind die Bäume höher und der Ort wirkt von der Ferne unsichtbar.

... kurz vor San Pedro de Atacama

... kurz vor San Pedro de Atacama

Vor 16 Jahren war ich schon einmal hier und ich hatte die Befürchtung der Ort hat sich auf Grund des zunehmenden Tourismus stark verändert. Baulich kann ich nun sagen hat sich nicht viel verändert und der Ort hat seinen Flair behalten. Der Tourismus hat natürlich erheblich zugenommen und somit sind aus vielen Wohnhäusern Souvenierläden, Reisebüros oder Restaurants geworden. Trotz allem hat es immer noch seinen Reiz, wenn man abends durch die engen Gässchen mit den weißgekalkten und lehmfarbenen Häusern schlendert. Zu den wenigen Sehenswürdigkeiten im Ort gehört die schlichte Dorfkirche „ Iglesia de San Pedro“ aus dem achtzehnten Jahrhundert mit seinen Dachstuhl der aus Kaktusholz gezimmert ist.

... Iglesia de San Pedro

... Iglesia de San Pedro

Unsere Residenz schlagen wir für einige Tage in der Ortsmitte im Hof des Takha Takha (Hotel-Camping) auf, neben einem schönen Malvengarten. Dies ist eine gute Basisstation für Touren die uns ins Umland führen. Außerdem sind wir in zwei Minuten in der „Fußgängerzone“ des Dorfes.

... die „Fußgängerzone“ von San Pedro

... die „Fußgängerzone“ von San Pedro

Wir haben uns mit unseren Schweizer Freunden Joli, Reni und Ingo verabredet, die zwei Tage nach uns eintreffen. Reparaturen und Wartungsarbeiten werden am Auto erledigt, die Wäsche wird wieder auf Vordermann gebracht, wir kochen zusammen und haben wieder viel zu erzählen. Michaela, Reni und ich machen einen Tagesausflug zum Jama-Paß, der auf einer Höhe von 4400 m liegt.

... Richtung Jama-Paß

... Richtung Jama-Paß

San Pedro ist ideal um sich zu akklimatisieren, denn das Wüstendorf liegt auf einer Höhe von 2500 m. Somit merken wir die 2000 m Höhe kaum noch. Zuerst geht es 40 Kilometer nur bergauf. Oben an der Hochebene angekommen sehen wir Lamas und Alpakas weiden, die von indianischen Familien gehalten werden.

... Lama am Jama-Paß

... Lama am Jama-Paß

Außer ihren kleinen Lehmhäusern und den Herden besitzen viele Familien nichts. Lamas und Alpakas zählen zu der Familie der Kamele deshalb werden sie auch Anden-Kamele genannt. Es gibt noch zwei Arten von Tieren die hier oben auf dem Altiplano leben und ebenso zu der Familie der Kamele gezählt werden. Die wildlebenden und menschenscheuen Guanakos und die Vikunjas. Beide ähneln mehr dem europäischen Reh als einen Kamel. Ihr Fell bzw. die wunderbare Wolle welche man hieraus herstellen kann, wurde ihnen in den 70er Jahren fast zum Verhängnis und sie standen kurz vor dem Aussterben. Nur noch ca. 1000 Vikunjas wurden in Chile gezählt. Gerade noch rechtzeitig wurden sie unter den Artenschutz gestellt und so zählt man heute wieder über 27 000 Vikunjas. Die Wolle des Vikunjas gilt als die feinste im gesamten Tierreich.

... Vikunjas am Altiplano

... Vikunjas am Altiplano

Nun soviel zur Tierwelt. Es geht weiter über die Hochebene. Zur linker Hand thront der bolivianische Vulkan Licancabur mit einer stolzen Gipfelhöhe von 5930 m. Bei meiner ersten Südamerikareise wollte ich zusammen mit einem ebenfalls aus Bayern stammenden Radlfahrer den Gipfel dieses „Bilderbuch-Vulkans“, besteigen. Dreihundert Meter unterhalb des Gipfels mussten wir auf Grund von Erschöpfung und mangelnder Kräfte aufgeben. Heute genieße ich seine magische Ausstrahlung gerne aus der Ferne.

... Vulkan Licancabur 5930 m, im Hintergrund

... Vulkan Licancabur 5930 m, im Hintergrund

Wir fahren durch unwirtliche Landschaft. Salztonebenen beherrschen hier oben das Landschaftsbild. Mal wirkt die Gegend weich und sanft, mal bizarr und rau. Beim zurückfahren änderte sich die Landschaft erneut, aufgrund des Lichtes der tief stehenden Nachmittagssonne. Die Ebenen werden mit langen Schatten der umliegenden Bergriesen durchzogen.

... Salztonebene am Jama-Paß

... Salztonebene am Jama-Paß

Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang sind wir wieder in San Pedro zurück. Der Höhepunkt des Tages wird noch folgen. Unweit von San Pedro liegt das „Valle de la Luna“ (das Tal des Mondes). Eine Straße führt durch die „Mondlandschaft“. Es sind zwei Tage vor Vollmond und somit irrsinniges Glück für uns. Der Mond zeigt sich fast kugelrund.

... fast wäre der Mond geplatzt

... fast wäre der Mond geplatzt

Gerade als sich auf der einen Seite die Sonne vom Tag verabschiedet und das schwächer werdende Licht der Wüstenerde die schönsten Farbnuancen entlockt, kommt der Erdtrabant auf der anderen Seite hinter den Bergen hervor. Das Licht ändert sich von Minute zu Minute. Einige Touristenbusse stehen schon am Parkplatz an der großen Sanddünne. Knapp achtzig „Fotohungrige“ stürmen in Rekordzeit die Sanddüne hoch und knipsen wie die Weltmeister.

... Fotografen auf der Sanddüne

... Fotografen auf der Sanddüne

Wir natürlich auch, allerdings von eine Nachbarberg aus. Das Lichtspektakel in der klaren Wüstenluft dauert nicht lange und die letzten Busse verlassen schon wieder das „Mondtal“. Es kehrt wieder Ruhe ein nur der Mond wacht noch die ganze Nacht über seinem Tal.

... Michaela und Reni im Mondtal

... Michaela und Reni im Mondtal

Ingo und Joli warten schon auf unsere Rückkehr, denn es wird gleich gekocht. Beim Abendessen lassen wir den heutigen ereignisreichen Tag nochmals Revue passieren.
Die Abende in der Wüste sind kalt und so sitzen wir nicht lange im Freien sondern ziehen uns bald in unsere Fahrzeuge zurück. Wie schon auf der Hosteria Suizandina wurden aus ein paar Tagen letzen Endes 8 Tage. Ingo und Joli bringen Reni morgen nach Calama zum Flughafen. Ihr zweimonatiger Chileaufenthalt geht zu Ende. Wir haben heute ein Date mit Roman, den wir vor einer Woche auf dem Weg nach Calama von der Straße mitgenommen hatten, da sein Auto defekt war. Dieses Treffen findet nicht statt, warum wissen wir nicht. Beim vereinbarten Treffpunkt warten wir vergeblich. Wir rufen ein paar mal noch an und hinterlassen eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, aber ohne Erfolg. In Calama auf dem Municipal Camping lernen wir Volkmar und Gudrun aus Berlin kennen, die ebenfalls mit einem VW-Bus unterwegs sind. Daneben stehen Walter und Marion mit ihrem MAN-Lkw aus dem Ruhrgebiet. Wir haben alle das gleiche Ziel und das heißt BOLIVIEN. Wir fahren alle am gleichen Tag los aber zu unterschiedlichen Zeiten. Jeder muß zuvor noch einiges in der Stadt erledigen. So beschließen wir, dass wir uns auf den Weg zur bolivianischen Grenze, die noch 200 Kilometer entfernt ist, irgendwo an der Strecke bei einer ungefähren Höhe von 3000 Meter treffen. Dies ist eine Vorbeugemaßname um den Körper wieder langsam an die Höhe anzupassen, da es wieder mal über einen Paß von 4000 Metern geht der uns nach Bolivien führt. Michaela und ich besuchen das kleine Dorf Chiu Chiu, das auf der Strecke liegt. Einige Kilometer östlich davon gibt es eine kleine Lagune mit dem Namen „Inca Coya“. Oder besser gesagt ein rundes Wasserloch mitten in der Wüste, von dem bis heute kein Mensch weiß wie tief es ist. Schon der berühmte französische Meeresbiologe Jacques Cousteau war hier mit seinen Tauchern um bis zum Grunde dieses Wasserlochs zu tauchen. Bei 2000 Metern mussten sie aufgaben, da der Boden immer noch nicht in Sicht war.

... Laguna Inca Coya

... Laguna Inca Coya

Wir fahren vom „Loch der unbekannten Tiefe“ weiter Richtung Bolivien. Am Spätnachmittag sehen wir die beiden anderen Fahrzeuge in der Ferne stehen, die bereits ihren Standplatz für die Nacht bezogen haben. Wir stellen uns dazu. Es ist gerade noch Zeit schnell zusammen einen Kaffee zu trinken, dann verschwindet jeder in seinen Fahrzeug. Nachts wird es bitterkalt, -12°C

 ... im Convoi, Nachtlager in der Atacama-Wüste

... im Convoi, Nachtlager in der Atacama-Wüste

Nun, hier machen wir diesmal Schluß, wir sind kurz vor der Grenze. Im nächsten Reisebericht melden wir uns aus Bolivien.
Michaela und Raimund