{"id":123,"date":"2008-01-04T07:48:53","date_gmt":"2008-01-04T06:48:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.windrose-unterwegs.com\/berichte\/?p=123"},"modified":"2011-07-28T16:38:40","modified_gmt":"2011-07-28T14:38:40","slug":"die-schmusegeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.windrose-unterwegs.com\/berichte\/?p=123","title":{"rendered":"Die Schmusegeschichte"},"content":{"rendered":"<p>Vor langer Zeit lebten die Menschen auf dieser Welt zufriedener und gl\u00fccklicher als heute. Jedem wurde damals bei der Geburt ein kleiner und warmer Sack mit auf den Lebensweg gegeben. In diesem Sack befanden sich unz\u00e4hlige warme Schmuser, die jeder seinen Mitmenschen verschenken konnte, wann es ihm beliebte. Die Nachfrage nach diesen Schmusern war gro\u00df, denn wer einen geschenkt bekam, f\u00fchlte sich am ganzen K\u00f6rper wohlig warm liebkost. Wenn einer ausnahmsweise einmal zuwenig Schmuser geschenkt bekam, lief er Gefahr, sich eine schlimme Krankheit einzuhandeln, die Verschrumpelung, Verh\u00e4rtung und sogar zum Tode f\u00fchren konnte.<\/p>\n<p>Aber zum Gl\u00fcck war es damals leicht, Schmuser zu bekommen. Immer wenn einem danach war, konnte man auf einen anderen zugehen und um einen Schmuser bitten. Der andere holte selbstzverst\u00e4ndlich einen aus seinem Sack und sobald man sich diesen Schmuser zum Beispiel auf die Schulter gelegt hatte, f\u00fchlte man sich wohl und bekam ein rundum gutes Gef\u00fchl. Die Menschen erbaten oft Schmuser voneinenader und da sie auch friegiebig verteilt wurden, war es kein Problem, gen\u00fcgend davon zu bekommen.<\/p>\n<p>Alle Menschen f\u00fchlten sich die meiste Zeit wohl, gl\u00fccklich und liebgehabt, bis eines Tages eine Hexe dar\u00fcber sehr b\u00f6se wurde. Sie hatte n\u00e4mlich einen gro\u00dfen Vorrat an Tinkturen und Salben f\u00fcr diejenigen, die tats\u00e4chlich einmal krank wurden, doch brauchte kaum jemand ihre Mittel. Sie begann deshalb den Menschen einzureden, da\u00df ihnen die Schmuser bald ausgehen werden, wenn sie weiter so freigiebig damit sind. Und die Menschen glaubten ihr seltsamerweise.<\/p>\n<p>Sie fingen an, \u00fcber ihre Schmuser zu wachen und nicht mehr so gro\u00dfz\u00fcgig damit umzugehen. Viele beobachteten neidisch ihre Mitmenschen, wenn diese anderen einmal einen Schmuser schenkten, wurden oft b\u00f6se und machten ihnen Vorw\u00fcrfe. Diese wollten ja ihren Eltern, Kindern und Partnern nicht wehtun und bem\u00fchten sich, anderen keine Schmuser mehr zukommen zu lassen. Die Kinder lernten das schnell von ihren Eltern: Sie merkten, da\u00df es scheinbar falsch ist, seine Schmuser all denen zu verschenken, die danach Lust hatten.<\/p>\n<p>Obwohl immer noch jeder in seinem Sack gen\u00fcgend Schmuser fand, holten die Menschen immer seltener einen hervor. Die Folgen waren schrecklich: Immer weniger Menschen erhielten die Schmuser, die sie brauchen, immer mehr f\u00fchlten sich nicht mehr warm, gl\u00fccklich und liebkost. Viele wurden krank und eingie starben gar an Schmusermangel. Die Hexe konnte jetzt viele Arzneien verkaufen, merkte aber bald, da\u00df sie gar nicht zu helfen schienen. Nat\u00fcrlich wollte sie auch wieder nicht, da\u00df die Menschen starben, wer sollte denn dann ihre Mittelchen kaufen?<\/p>\n<p>Sie erfand also etwas neues:<br \/>\nKalte Fr\u00f6stler<\/p>\n<p>Sie verkaufte jedem einen Sack mit kalten Fr\u00f6stlern. Die Fr\u00f6stler sahen genauso aus wie die Schmuser, nur gaben sie den Menschen kein warmes und liebkosendes Gef\u00fchl, sondern ein kaltes, fr\u00f6stelndes. Aber sie lie\u00dfen immerhin die Menschen nicht mehr verschrumpeln und sterben.<\/p>\n<p>Wenn jetzt jemand einen warmen Schmuser haben wollte, konnten ihm die Leute, die Angst um ihren Schmuservorrat hatten, statt dessen einen Fr\u00f6stler anbieten. Oft gingen zwei Menschen aufeinander zu in der Hoffnung, vom anderen einen Schmuser zu bekommen, doch dann \u00fcberlegte es sich der eine oder andere nochmal, und am Ende gaben sie sich nur kalte Fr\u00f6stler. Zwar starben kaum noch Menschen an Schmusermangel, weil sie ihn einigerma\u00dfen mit Fr\u00f6stlern ausgleichen konnten, aber die meisten f\u00fchlten sich nicht mehr wohl, liefen verbittert und vom Leben entt\u00e4uscht umher.<\/p>\n<p>Schmuser waren ungeheuer wertvoll geworden: Eltern ermahnten ihre Kinder, sich genau zu \u00fcberlegen, wem sie einen Schmuser geben, Paare wachten eifers\u00fcchtig \u00fcber den Schmuservorrat des anderen, Kinder neideten ihren Eltern die Schmuser, die sich diese gegenseitig gaben. Fr\u00fcher waren oft viele Menschen in Gruppen zusammengekommen, ohne sich darum zu k\u00fcmmern, wer wem Schmuser schenkte. Jetzt schlosssen sich alle zu Paaren zusammen und behielten mi\u00dftrauisch ihre Schmuser f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Wer versehentlich oder weil er gerade Lust dazu hatte, einmal einem anderen einen Schmuser gab, f\u00fchlte sich auch gleich danach schuldig, weil er wu\u00dfte, da\u00df ihm sein Partner das \u00fcbelnehmen w\u00fcrde. Und wer keinen freigiebigen Partner finden konnte, mu\u00dfte sich Schmuser kaufen, wenn er welche wollte, und f\u00fcr das Geld \u00dcberstunden machen. Einige Leute wurden irgendwie beliebter als die anderen und bekamen eine Menge Schmuser, ohne selber welche hergeben zu m\u00fcssen. Sie verkauften dann ihre Schmuser zu hohen Preisen.<\/p>\n<p>Ein paar ganz raffinierte Menschen hatten eine Idee: Sie sammelten kalte Fr\u00f6stler, die ja recht billig und in gro\u00dfen Mengen zu haben waren und verkauften sie f\u00fcr viel Geld als warme Schmuser. Diese scheinbar warmen und flauschigen Schmuser waren in Wirklichkeit nichts weiter als Plastikschmuser oder Schmuserimitationen und schufen noch mehr Probleme.<\/p>\n<p>Sie hinterlie\u00dfen nach ihrem Gebrauch das Gef\u00fchl, etwas verpa\u00dft zu haben, machten regelrecht s\u00fcchtig danach, immer wieder und immer mehr davon zu kaufen. Viele starben schlie\u00dflich, weil sie einfach zuviel Plastikschmuser verbraucht hatten. \u00dcber diese S\u00fcchtigen regten sich zwar die \u201enormalen\u201c Menschen furchtbar auf, aber sie konnten weder die Plastikschmuser aus der Welt schaffen noch das Bed\u00fcrfnis danach.<\/p>\n<p>Allzuoft passierte es, da\u00df sich zwei Menschen trafen um warme Schmuser auszutauschen um ein gutes Gef\u00fchl zu bekommen, ben\u00fctzten aber daf\u00fcr Plastikschmuser. Nach den ersten Minuten oder Stunden sp\u00fcrten sie dann, da\u00df ihnen nur ein kaltes, fr\u00f6stelndes und leeres Ge\u00fcfhl geblieben war, das sie so schnell wie m\u00f6glich wieder loswerden wollten. Deshalb kauften sie so schnell wie m\u00f6glich neue und gerieten in einen Kreislauf, aus dem sie alleine niemals herausfinden konnten.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt gab es in dieser Zeit viel Verwirrung unter den Menschen. Keiner fand sich mehr zurecht, wie es fr\u00fcher gewesen war. Und alles nur, weil die Hexe ihnen eingeredet hatte, es g\u00e4be nicht gen\u00fcgend warme Schmuser!<\/p>\n<p>Vor kurzem kan nun eine Frau zu uns, die offensichlich noch nichts von der Hexe geh\u00f6rt zu haben scheint. Sie sorgt sich \u00fcberhaupt nicht um ihren Schmuservorrat und verteilt sie so freigiebig, wie niemand sonst, sogar ohne darum gebeten zu sein. Man nennt sie die Hieppiefrau.<\/p>\n<p>Die Erwachsenen waren anfangs sehr ver\u00e4rgert, gibt doch diese Frau den Kindern die fixe Idee, es g\u00e4be immer gen\u00fcgend Schmuser in ihren S\u00e4cken. Die Kinder m\u00f6gen diese Frau sehr und lernen langsam wieder, da\u00df es immer ausreichend Schmuser geben wird. Doch die Erwachsenen sind schon so verh\u00e4rtet und festgefahren in ihren Vorstellungen, da\u00df sie die Botschaft der Hieppiefrau nicht begreifen.<\/p>\n<p>Jetzt wird sogar ein Gesetz erlassen, das den verschwenderischen Gebrauch von Schmusern unter Strafe stellt. Es soll die Kinder davor sch\u00fctzen, ihre Schmuser zu vergeuden. Zum Gl\u00fcck k\u00fcmmern sich nicht alle Kinder um dieses Gesetz und wir k\u00f6nnen hoffen, da\u00df auch die Erwachsenen sich langsam wieder an die Zeit erinnern, in der sich jeder wohl und liebgehabt f\u00fchlte, weil es warme Schmuser in H\u00fclle und F\u00fclle gab.<\/p>\n<p>Werden wir endlich wieder damit beginnen, so viele Schmuser zu verschenken, wie jeder braucht?<\/p>\n<p>Fangen wir doch heute schon damit an, sooft wie m\u00f6glich in unseren Schmusersack zu greifen!!!!!!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor langer Zeit lebten die Menschen auf dieser Welt zufriedener und gl\u00fccklicher als heute. Jedem wurde damals bei der Geburt ein kleiner und warmer Sack mit auf den Lebensweg gegeben. 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